„Comix & Atlantix“: Mit Rätseln gespickte Enträtselung

Die Ausstellung „Comix & Atlantix“ von Florin Kompatscher ist in der Innsbrucker Galerie Thoman zu sehen.

© Thoman/Lena Kienzer

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Für den seit vielen Jahren in Berlin lebenden Südtiroler Maler und Grafiker Florin Kompatscher sind seine Bilder Ausschnitte eines Kosmos. Der mit Rätseln gespickt ist, deren Dechiffrierung der 60-Jährige allerdings dem Betrachter überlässt. Um diesen durch den Titel „Comix & Atlantix“, die der Unger- und Frohner-Schüler seiner aktuellen, mit ganz neuen Arbeiten bestückten Personale in der Galerie Thoman gegeben hat, doch etwas an die Hand zu nehmen.

Die Ästhetik von Comics habe ihn schon immer fasziniert, sagt Florin Kompatscher. Ihre unmittelbare Direktheit, ihr Sich-Fortsetzen von Sequenz zu Sequenz, ihre spielerisch durchdeklinierte Leichtigkeit. Doch Kompatscher ist, obwohl er gerade in seinen frühen Jahren auch viel und fabelhaft gezeichnet hat, ein leidenschaftlicher Maler. Ein souveräner Jongleur mit dem Farbigen, das sich in seinen teilweise auf großen, bisweilen extravagant auf die Spitze gestellten oder runden Bildern poetisch durchdringt, überlagert und verdichtet. Zelebriert von fast aquarelliger Zartheit bis zu pastoser Dichte.

Florin Kompatscher ist – im Gegensatz zu den Zeichnern von Comics – allerdings kein Geschichtenerzähler. Jedenfalls nicht in einem eindeutig linearen Sinn, obwohl man bisweilen durchaus bekannte Figuren wie Tom und Jerry oder allerhand Tierisches zu erkennen glaubt. Aber auch die von Italo Calvinos surreal angehauchten Kurzgeschichten bekannte Figur namens QFWFQ taucht in malerischer Metamorphose in Kompatschers Bildwelt immer wieder auf. Allerdings reduziert zum poetischen Farbkürzel eines letztlich abstrakten Kunstkosmos, dessen zu Bildern gewordene Ausschnitte in alle Richtungen ins Unendliche fortsetzbar zu sein scheinen. Haben sie doch kein exakt definierbares Zentrum, kein eindeutiges Oben und Unten, keinen Vorder- und Hintergrund.

In der Art, wie Florin Kompatscher seine Bilder in der Galerie Thoman präsentiert, werden sie allerdings zur komplexen Rauminstallation. Indem die an knallgelben Wänden exakt zueinander positionierten Bilder durch schwarze Linien miteinander in Beziehung gesetzt werden. Mittels kraftvoller grafischer Elemente, die aus dem formal klar definierten Farbenmeer in den freien Raum ausschwärmen. Um die Bilder zu verbinden, sie in galeristischen Ecken und Böden zu erden. Bisweilen raffiniert spielend mit der Illusion des Dreidimensionalen, indem die Linien von gemalten Schatten flankiert werden, die augentäuscherisch real daherkommen.

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