Au-pair-Mädchen in Tirol wie Sklavinnen behandelt

Die jungen Frauen mussten teils mehr als 100 Stunden pro Woche ohne Lohn in einer Putzfirma arbeiten. Jetzt wurden die Täter festgenommen.

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Symbolfoto.
© Keystone

Innsbruck –Maximal 20 Wochenstunden, freie Tage, adäquate Unterkunft, angemessenes Taschengeld: So lauteten die Versprechungen, mit denen eine Italienerin (34) und ihr syrischer Freund (26) Au-pair-Mädchen nach Tirol lockten. Tatsächlich mussten die jungen Frauen wie Sklavinnen teils über 100 Stunden pro Woche in einer Putzfirma schuften. Und das ohne Lohn. Jetzt wurde das Paar vorübergehend festgenommen. Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Menschenhandels.

Es war im vergangenen Frühjahr, als die Finanzpolizei das Landeskriminalamt auf den Fall aufmerksam machte. Damals war nur bekannt, dass eine 22-Jährige aus Togo keinen Lohn für die Au-pair-Dienste erhielt. Die junge Frau, die den achtjährigen Sohn der Italienerin beaufsichtigte, hatte entgegen der Abmachung kein eigenes Zimmer. Stattdessen musste sie sich eine Unterkunft mit anderen Personen teilen.

Der Hinweis der Finanzpolizei war der Auftakt für umfangreiche Ermittlungen. Und die ergaben, dass die junge Frau aus Togo keineswegs das einzige Opfer war. Im Gegenteil – über ihre Au-pair-Agentur hat die Italienerin acht Mädchen aus Togo, Marokko, Madagaskar und Georgien nach Tirol gelockt. Den Frauen wurden auch neben den eingangs erwähnten Arbeitsbedingungen kostenlose Deutschkurse in Aussicht gestellt. Leere Versprechungen, wie sich herausstellte. „Tatsächlich mussten die Mädchen nicht nur im Haushalt der Italienerin, sondern auch in ihrer Putzfirma arbeiten“, heißt es im Bericht des Landeskriminalamtes. Wie die Ermittlungen ergaben, kamen auf diese Weise bis zu 105 Arbeits­stunden pro Woche zusammen. Und das ohne entsprechende Entlohnung. Geschlafen wurde teilweise auf Matratzen. In zwei Fällen soll es auch zu sexuellen Übergriffen durch eine dritte Person gekommen sein.

Vergangene Woche haben Polizeibeamte das Paar vorübergehend festgenommen und zwei Hausdurchsuchungen durchgeführt. Die Italieneri­n und der Syrer befinden sich mittlerweile wieder auf freie­m Fuß. (tom)

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