Abschottung vor Coronavirus aus China wird verschärft

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Im Kampf gegen das sich weiter rasant ausbreitende Coronavirus haben China und das Ausland ihre Maßnahmen nochmals verschärft. Die US-Regierung setzt ab sofort auf Einreiseverbote und Quarantäne. Alle US-Bürger, die sich in den vergangenen 14 Tagen in der chinesischen Provinz Hubei aufgehalten haben, müssen 14 Tage in Quarantäne, sagte US-Gesundheitsminister Alex Azar am Freitag in Washington.

Ausländern, die im genannten Zeitraum in China waren, werde die Einreise überhaupt verwehrt, fügte er hinzu. Davon ausgenommen seien lediglich die unmittelbaren Familienmitglieder von US-Bürgern und Personen mit einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung. Diese Personen müssen sich aber einer Gesundheitskontrolle bei der Einreise unterziehen. Zudem erklärten die USA den Gesundheitsnotstand.

Die US-Behörde für Seuchenkontrolle (CDC) erklärte gleichwohl, dass das vom Coronavirus ausgehende Risiko für die US-Bürger „gering“ sei. Derzeit gebe es 191 Coronavirus-Verdachtsfälle in den USA.

Die US-Regierung gab auch eine Reisewarnung für China aus, was Peking scharf kritisierte. Aber auch Singapur und die Mongolei wollen keine Chinesen oder Reisende aus China mehr ins Land lassen. Auch Österreich gab eine partielle Reisewarnung für die Krisenregion in China aus.

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Die Regierung in Peking hat die US-Reisewarnung für China wegen des Coronavirus-Ausbruchs scharf kritisiert. Die „Worte und Handlungen gewisser US-Vertreter“ entsprächen weder den Fakten noch seien sie „angemessen“, erklärte ein Außenamtssprecher am Freitag.

Seinerseits kündigte Peking an, alle ins Ausland gereisten Bewohner der besonders betroffenen Provinz zurückzuholen. Die deutsche Bundesregierung schickte am Freitag eine Bundeswehrmaschine nach Wuhan, um deutsche Staatsbürger auszufliegen. Sieben Österreicher, die sich in der Krisenprovinz Hubei aufhalten, sollen via Frankreich am Sonntag nach Österreich zurückkehren.

Den Behörden in Peking zufolge infizierten sich bis Freitag fast 10.000 Menschen auf dem chinesischen Festland mit dem neuartigen Erreger 2019-nCoV, hinzu kommen mehr als 100 Fälle in mehr als 20 weiteren Ländern, darunter erstmals auch in Großbritannien und Russland. An dem neuartigen Coronavirus starben bisher offiziell 213 Patienten, allesamt in China.

Laut einer Studie der Universität Hongkong dürften die Zahlen allerdings bedeutend höher liegen. Allein in Wuhan könnten sich bis 25. Jänner rund 75.800 Personen mit dem neuen Coronavirus infiziert haben. Die Epidemie könnte sich bereits in mehreren chinesischen Großstädten ausgebreitet haben. „Große Städte in Übersee mit engen Verbindungen zu China könnten Outbreak-Epizentren werden“, stellte Joseph Wu von der Universität Hongkong fest. Gefährlich sei das, weil es häufig zur Übertragung durch Personen noch ohne Symptome kommt.

Deutschland meldete am Freitag einen sechsten Fall: Dabei handelt es sich um das Kind eines der fünf Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto aus dem Landkreis Starnberg, die sich bei einer aus China zu einer Schulung angereisten Kollegin angesteckt hatten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief am Donnerstagabend den internationalen Gesundheitsnotstand aus, was eine stärkere länderübergreifende Koordination ermöglichen soll. Zur Begründung wies sie auf die Ausbreitung des Erregers außerhalb der Volksrepublik hin.


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