Buhorkan für „Fidelio“-Urfassung an der Staatsoper

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Die Reaktion auf das Experiment war einhellig: Die erstmalige Inszenierung der Erstfassung von Beethovens Oper „Fidelio“ an der Staatsoper durch Amelie Niermeyer hat am Samstagabend einen überraschend homogenen Buhorkan des Publikums geerntet. Der als erster große Wiener Höhepunkt im laufenden Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag des Komponisten gedachte Abend fiel bei den Staatsopernbesuchern durch.

Dabei hat das Haus am Ring aus gegebenem Anlass das Unterfangen gewagt, die Neuinszenierung der 1805 entstandenen Erstvariante von Amelie Niermeyer parallel neben die bereits 50 Jahre alte Inszenierung der heute gängigen „Fidelio“-Fassung von 1814 in den Spielplan zu heben. Während ab 22. April Otto Schenks klassische Deutung des Befreiungsstoffes zu sehen ist, nutzt Niermeyer nun den Freiraum, ihre Geschichte zeitgenössisch, mit klaren Eingriffen in das Grundmaterial zu erzählen.

Dafür hat die Regisseurin von Autor Moritz Rinke neue Texte für die Dialogsequenzen des Werks verfassen lassen, um eine der großen Schwachstellen des Werks auszumerzen. Während ihre dem Befreiungspathos und Liebessehnen gegenüber kritische Herangehensweise beim Publikum überwiegend auf Ablehnung stieß, erhielt ein Großteil des Sängerensembles den wohlverdienten Applaus. Der irischen Sopranistin Jennifer Davis wurde bei ihrem Rollendebüt als Leonore die Schauspielerin Katrin Röver als ihre innere Stimme gegenübergestellt, was beide im gespaltenen Doppel ebenso meisterten wie Benjamin Bruns seinen Florestan und nicht zuletzt Falk Struckmann stimmgewaltig seinen Rocco. Einzig Thomas Johannes Mayer fiel in diesem Stimmreigen hierbei gänzlich ab und kam mit seinem Pizarro nicht über das von Tomas Netopil forsch durch den Abend geführte Orchester.


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