Bischofsweihe in Klagenfurt: Mehr als 1.000 Zuseher erwartet

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Josef Marketz wird am Sonntagnachmittag zum 66. Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt geweiht. Der 64-Jährige war bis zu seiner Ernennung Direktor der Kärntner Caritas. Zu der Weihe, die vom Salzburger Erzbischof Franz Lackner vorgenommen wird, werden mehr als 1.000 Zuseher erwartet.

Zahlreiche kirchliche Würdenträger haben sich für die Zeremonie im Klagenfurter Dom angekündigt, wie etwa Nuntius Pedro Lopez Quintana, Kardinal Christoph Schönborn und sechs Erzbischöfe, unter anderem aus Slowenien. Auch Vertreter von anderen Kirchen werden dabei sein, wie Superintendent Manfred Sauer und der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner. Ebenfalls auf der Gästeliste stehen der Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina, Valentin Inzko, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) und Landtagspräsident Reinhart Rohr (SPÖ).

Marketz wurde am 30. Juli 1955 in St. Philippen ob Sonnegg/St. Lips in der Gemeinde Sittersdorf/Zitara vas (Bezirk Völkermarkt) geboren. Er besuchte das kirchliche Gymnasium in Tanzenberg, wo er 1975 die Matura ablegte. Nach dem Theologiestudium in Salzburg und Laibach wirkte Marketz ein Jahr als Diakon in Ecuador in Südamerika, 1982 wurde er in Klagenfurt zum Priester geweiht. Seine Motivation sei eindeutig eine soziale gewesen, betonte Marketz immer wieder. Das machte er - neben seiner Funktion als Caritas-Direktor - auch 2015 deutlich, als er Kritik an der EU übte und einen humanen Umgang mit Flüchtlingen einforderte.

Der Kärntner Slowene Marketz folgt auf Alois Schwarz, der im Sommer 2018 Bischof von St. Pölten wurde. Nach Schwarz‘ Abgang aus Kärnten wurde rasch Kritik an seiner Amts- und Lebensführung laut. Ihm wurden unter anderem Misswirtschaft und eine zu große Nähe zu einer Mitarbeiterin vorgeworfen. Schwarz wies das zurück. Ein Strafverfahren ist bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) anhängig. Im Jänner wurde bekannt, dass die Ermittlungen wegen des Verdachts der Hinterziehung von Grunderwerbssteuer eingestellt wurden. Nicht vom Tisch ist allerdings ein Steuerstrafverfahren wegen eines Immobiliengeschäfts, der Betrugsverdacht im Zusammenhang mit dem Pachtvertrag für ein Schloss sowie der Untreueverdacht bei Dienstverträgen von Mitarbeitern der Diözese Gurk. Die WKStA hat Vorhabensberichte erstellt, über deren Inhalt aber nichts bekannt ist.

Nach dem Wechsel von Schwarz nach St. Pölten wählte das Domkapitel Generalvikar Engelbert Guggenberger zum Administrator. Er sollte die Diözese eigentlich bis zur Amtseinführung des neuen Bischofs leiten. Im Dezember 2018 wurde Erzbischof Lackner mit einer Visitation der Diözese beauftragt, im Sommer 2019 schließlich setzte der Papst Guggenberger als Administrator ab und ersetzte ihn durch Militärbischof Werner Freistetter. In der Diözese bildete sich daraufhin die Laiengruppe „Forum mündige Christen“, die sich für Guggenberger als neuen Bischof einsetzte.

Die Turbulenzen gingen an der Diözese nicht spurlos vorüber, die Zahl der Kirchenaustritte schnellte in die Höhe. An Marketz wird es nun liegen, wieder Ruhe in der Diözese einkehren zu lassen - schon bei seiner Vorstellung im Dezember kündigte er an, mit Beteiligten sprechen sowie „Lösungen finden und aufzeigen“ zu wollen. Seine Amtsführung stellt Marketz unter den Leitspruch „deus caritas est“ („Gott ist [die] Liebe“), er möchte sich auch Anleihen an der Amtsführung von Papst Franziskus nehmen. In diesem Zusammenhang setzte Marketz bereits durchaus auf Symbolik: Er kündigte an, nicht in die bischöfliche Residenz übersiedeln zu wollen, sondern in seiner Wohnung zu bleiben. Und sein eigens geschnitzter Bischofsstab besteht aus schlichtem Zirben- und Lindenholz.


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