Jungem Afghanen droht Abschiebung: „Wäre völlig unverständlich“

Tiroler Unterstützer kämpfen für einen jungen Flüchtling aus Afghanistan. Der 23-Jährige absolviert eine Ausbildung im Mangelberuf Pflegeassistenz.

Auch in einer preisgekrönten Aufführung des „Theaters konkret“ bewies Mohammad Haroon Faqiri seine großen Integrationsbemühungen.
© Iris Teyml

Innsbruck – Für Mohammad Haroon Faqiri ist es eine Atempause in einer sehr belastenden Phase. Im Dezember hatte das Bundesverwaltungsgericht in Wien den Asylantrag des 23-Jährigen aus Afghanistan auf allen Ebenen abgelehnt – kein Asyl, kein subsidiärer Schutz, kein humanitäres Bleiberecht. Als allerletztes Rechtsmittel wurde eine außerordentliche Revision beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) eingebracht – diese hat der VfGH angenommen und die aufschiebende Wirkung in Bezug auf die Abschiebung anerkannt. Wann und wie der VfGH über den Asylantrag entscheiden wird, ist offen.

Mohammad Haroon hat rasch Deutsch gelernt und die B2-Prüfung abgelegt, aktuell macht er eine Ausbildung zum Pflegeassistenten am AZW.
© Faqiri

Fest steht hingegen: Bei vielen Tirolern, die den jungen Mann kennen und schätzen, würde eine Abschiebung auf völliges Unverständnis stoßen. Allseits werden ihm größte Integrationsbemühungen attestiert.

Mohammad Haroon Faqiri wurde 1996 in der afghanischen Stadt Ghazni geboren. Nach dem Schulabschluss begann er eine Ausbildung als Krankenpfleger. Doch dann folgte die Flucht vor Zwangsrekrutierung durch die Taliban. Im August 2015 kam er nach Österreich, über Kufstein führte sein Weg nach Innsbruck. Flucht, Bedrohung und der Tod naher Angehöriger haben bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst, die in Tirol therapiert wird. Doch nun schwebt die Angst vor der Rückkehr in ein vom Bürgerkrieg zerrissenes Land über allem.

Dabei bringe MHF – wie er oft genannt wird – „alle Voraussetzungen mit, in Österreich ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu werden“, sind sich Magdalena Melcher, Hannes Schlosser und Iris Teyml vom Unterstützungskomitee „Mohammad Haroon Faqiri soll bleiben“ einig.

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Er hat rasch Deutsch gelernt und die B2-Prüfung abgelegt, aktuell macht er eine Ausbildung zum Pflegeassistenten am AZW (Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe). „Er war im Aufnahmetest total gut und hat auch schon Prüfungen erfolgreich erledigt“, lobt Georg Razesberger, stv. Fachbereichs- und Schuldirektor im Bereich Pflege am AZW. Der Personalmangel sei massiv, viele Assistenzstellen in Tirol offen. Leute abzuschieben, die bestens geeignet seien, in diesem Mangelberuf zu arbeiten, wäre „total unverständlich“. Zumal Mohammad Haroon zuvor jahrelang gemeinnützige Arbeit am AZW geleistet habe: „Auch hier fiel er nur positiv auf.“

Generell bringt sich der junge Mann in Tirol voll ein: So spielte er im Sommer 2019 eine Hauptrolle in Aufführungen des Vereins „Theater konkret“, prämiert mit dem „Preis der Vielfalt“ der Stadt Innsbruck. Betreuerinnen, die er von früher kennt, unterstützt MHF als Dolmetscher oder bei Gartenarbeiten. Er spielt in einem Volleyballverein und wirkt in der „Free Beat Company“ der Musikschule mit.

Bis zur Entscheidung des VfGH will er sich wieder auf seine Ausbildung konzentrieren. Das Unterstützungskomitee (www.facebook.com/MHFsollBleiben) bittet derweil um Hilfe bei der Aufbringung der Anwaltskosten. (md)


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