Riefengassler kämpfen gegen neue Wohnblöcke

Eine Bürgerinitiative lehnt sich gegen ein Wohnprojekt auf, für das alte Bausubstanz abgerissen wird. Die Stadt verteidigt verdichtete Bauweise.

Das Gebäude, das für das Projekt geschleift wird, soll im Kern aus dem 15. Jahrhundert stammen.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Landeck –Zum dörflichen Charakter der Nachbarschaft passe dieses riesige Projekt nicht – da sind sich viele Anrainer der Landecker Riefengasse derzeit einig. In ihrer Straße soll ein altes Wohnhaus, das im Kern aus dem 15. Jahrhundert stammen soll, abgerissen werden – zugunsten von zwei neuen Wohnblöcken mit insgesamt 17 Wohnungen. Eine Bürgerinitiative läuft dagegen Sturm: Sie sammelte unter anderem 139 Unterschriften und brachte mehrere Stellungnahmen ein. Morgen wird sich der Gemeinderat mit dem Bebauungsplan beschäftigen.

Den Anrainern, die anonym bleiben möchten, sind die beiden Neubauten mit vier Geschoßen und 19 bzw. 25 Metern Länge generell zu hoch und zu groß. Zudem würde der zusätzliche Verkehr die Sackgasse überfordern. „Wenn ich aus dem Küchenfenster schaue, schaue ich direkt auf einen der neuen Balkone“, meint eine Anrainerin.

Darüber hinaus sei das Bestandsgebäude, das geschleift werden soll, wertvoller als bisher gedacht – das hat auch eine Begehung des Bundesdenkmalamts ergeben. Derzeit wird ein Gutachten über das Haus erarbeitet.

Den ersten Bebauungsplan für das Projekt hat der Gemeinderat im September 2019 einstimmig beschlossen. Davon habe man mehr durch Zufall erfahren, offiziell informiert sei man nicht worden, betonen Mitglieder der Initiative. Inzwischen gab es zwei Treffen mit dem Planungsausschuss der Stadt und dem Bürgermeister, zudem wurden Stellungnahmen sowie Gegenvorschläge für eine reduzierte Verbauung eingebracht.

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Inzwischen sei das Projekt umgeplant worden, bestätigt Stefan Krismer, Geschäftsführer der Wohnbau West. Es rücke von der Straße ab, zudem wurde das vierte Geschoß reduziert. Der Chef des privaten Bauträgers versteht so manche Sorgen. „Dem Nachbarn ist es immer zu groß“, betont er. Gewisse Ängste würden sich allerdings nicht bestätigen. So sei unter anderem untersucht worden, welche Schatten der Bau wirft. Für Krismer ist das Projekt deshalb nicht übertrieben. Und auch bei der Schutzwürdigkeit differenziert er. „Es gibt Merkmale wie das alte Kellergewölbe, die für einen Denkmalschutz sprechen würden, Teile des Hauses wurden aber in den 40er-Jahren umgebaut. Es ist nicht seit Jahren unberührt.“ Auch der Obmann des Planungsausschusses, Thomas Hittler, verteidigt das Projekt. „Es wurde raumplanerisch geprüft, es ist verträglich für diese Gegend.“ In der Stadt bekenne man sich zu einer verdichteten Bauweise. „Wir können Grundflächen nicht brachliegen lassen.“ Dass seitens der Bürgerinitiative das Bundesdenkmalamt eingeschaltet wurde, sieht er pragmatisch, „gegenüber den Grundeigentümern ist es nicht fair“.

Hittler sieht den Ersatzgemeinderat der SPÖ, Andreas Pfenniger, hinter dem Wirbel. „Er initiiert da Dinge, die nicht in Ordnung sind.“

Er sei in diesem Fall Anrainer, kein Gemeinderat, kontert dieser auf Anfrage der TT. Er kenne sich als Fachmann in diesem Bereich aus, deshalb sei er involviert. Die Bürgerinitiative hingegen sei eine Gruppe ohne Sprecher, die geeint nach außen auftritt.

Seitens der Bürgerinitiative hat man derzeit wenig Hoffnung, dass der Gemeinderat diesmal anders über den Bebauungsplan abstimmen wird. Die Änderungen seien minimal, kritisieren sie. Es geht ihnen auch um zwei Penthousewohnungen im obersten Stock – „das sind Luxuswohnungen, das entkräftet das Argument der Verdichtung“.


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