Sturmtief Petra fegte durchs Land: Auf Regen folgten Sturm und Schnee

Mit Windspitzen über 150 Stundenkilometer fegte gestern das Sturmtief „Petra“ über Österreich hinweg. In Tirol wurden Häuser abgedeckt und Bäume umgerissen. Die Feuerwehren standen im Dauereinsatz.

Am Sporerberg in Aschau deckte der Sturm einen Bergbauernhof teilweise ab.
© ZOOM.TIROL

Innsbruck – Erst Starkregen, dann Sturmböen und schließlich heftiger Schneefall – die Einsatzkräfte hatten in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun, die Auswirkungen des Chaoswetters in Grenzen zu halten. Zwischen Montagmorgen und frühem Dienstagnachmittag mussten Tirols Feuerwehren im ganzen Land rund 170 Einsätze abwickeln. Am stärksten betroffen war laut Auskunft des Landesfeuerwehrverbandes der Bezirk Kitzbühel. Aber auch in den Bezirken Reutte, Innsbruck-Land und Landeck kam es zu vermehrten Einsätzen.

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Nachdem es am Montag in Wörgl zu zahlreichen Überschwemmungen gekommen war, beruhigte sich Dienstagvormittag die Lage allmählich. Gegen 6.45 Uhr wurde allerdings im Park des Seniorenheims ein Baum entwurzelt. Er stürzte auf das Nachbargrundstück, verletzt wurde niemand. In Aschau bei Kirchberg riss eine Sturmböe große Teile eines Daches von einem Bergbauernhof, dabei wurde ein geparktes Auto beschädigt. Bei einem Hangrutsch in Mieders im Stubaital wurde ein Heustadel mitgerissen und völlig zerstört. Auch hier gab es keine Verletzten.

In Hattingberg ging eine Mure ab.
© Land Tirol

In Hattingberg waren am Montagabend kurzzeitig 75 Personen nach einem Murenabgang eingeschlossen. Der starke Regen hatte zu einer so genannten Hangexplosion geführt. Bis Dienstagabend wurde die Gemeindestraße wieder für den Verkehr freigegeben. Wegen Murengefahr nach Starkregen musste außerdem die B171 Tiroler Straße zwischen dem Kreisverkehr Pians und Strengen, Steigsiedlung, für den Verkehr gesperrt werden.

Gegen Dienstagmittag legte sich schließlich der Sturm etwas und es setzte stellenweise heftiger Schneefall ein. Zahlreiche Pkw und Lkw blieben auf der Brennerautobahn hängen, die Strecke zwischen Matrei-Steinach und Nösslach wurde am frühen Nachmittag vorübergehend in beide Richtungen gesperrt.

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In Kirchdorf bildeten sich riesige „Stauseen“.
© ZOOM.TIROL

Doch nicht nur in Tirol, auch in den anderen Bundesländern waren die Einsatzkräfte gefordert: In Vorarlberg mussten die Feuerwehren ab 3 Uhr zu zahlreichen Einsätzen ausrücken, größere Schäden blieben aber aus. Verletzt wurde niemand. In Oberösterreich und Salzburg waren Tausende Haushalte aufgrund heftiger Windböen ohne Strom. In Wien sorgten umgestürzte Bäume für Verkehrsbehinderungen. Verletzte gab es nicht.

Über den Semmering in Niederösterreich (1500 Meter Seehöhe) fegte der Sturm mit mehr als 150 km/h – Spitzenwert in Österreich gestern. Zum Vergleich: Am Patscherkofel wurden Windspitzen knapp über 120 Stundenkilometer gemessen.

© APA

In der Steiermark kam ein 47 Jahre alter Forstarbeiter am Montagnachmittag bei Holzschlägerungsarbeiten im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag ums Leben. Eine Windböe bewirkte, dass ein beinahe schon abgesägter Baum umstürzte, dieser traf den Mann am Kopf und verletzte ihn tödlich. Im Mühlviertel in Oberösterreich verunglückte ein Baggerfahrer tödlich, als er eine Verklausung in der Gusen lösen wollte. Der 52-Jährige stürzte ins Wasser und konnte nur noch tot geborgen werden. Im Burgenland warf der Sturm einen Klein-Lkw um, der Lenker blieb unverletzt.

In Wörgl knickten Bäume um.
© Stadtgemeinde Wörgl

Die Windwarnungen blieben laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bis in die Nacht auf Mittwoch aufrecht, die stärksten Windspitzen sollten aber seit Dienstagvormittag vorüber sein, heißt es. Bis Mittwochabend wird der Sturm in exponierten Lagen noch Geschwindigkeiten von 70 bis 90 km/h erreichen. Dabei soll es ab Mittwoch eine Verlagerung in Richtung Süden geben – verstärkt betroffen sind dann Kärnten, die südliche Steiermark und das Burgenland.

In Tirol lässt der Schneefall heute von Westen her nach, am Donnerstag setzt sich schließlich Hochdruckeinfluss durch. Es wird sonnig, bleibt aber kalt. (APA, TT, np)

Mit 171 km/h über die Schweiz

Der Orkan „Petra“ hatte sich am Montagabend über Nordfrankreich entwickelt und zog dann mit großer Geschwindigkeit ostwärts. In der Nacht auf Dienstag fegte er mit Windspitzen von über 170 Kilometern pro Stunde über die Schweiz hinweg. Die stärksten Windböen wurden mit 171 km/h am Bantiger (947 m) und am Napf (1408 m), beide im Kanton Bern gelegen, gemessen, wie SRF Meteo mitteilte. Im Flachland zeigten die Messgeräte immerhin Windspitzen von über 100 km/h an.

In den jeweiligen Einsatzzentralen der Kantonspolizei gingen am frühen Dienstagmorgen Hunderte Meldungen ein. Immer wieder stürzten Bäume um und fielen Äste auf Straßen. Allein in Bern seien 90 Meldungen eingegangen. Die Feuerwehren waren daran, die Fahrbahnen wieder freizuräumen.

Der Bahnverkehr in den Großräumen Zentralschweiz und Ostschweiz war nur eingeschränkt möglich. Es musste mit Verspätungen und Zugausfällen gerechnet werden. Die Kaltfront war gemäß den Meteorologen sehr schnell unterwegs. Um drei Uhr Früh zog sie über Basel und war zwei Stunden später bereits an den Alpen angekommen. Dahinter sei der Luftdruck schnell angestiegen. Unmittelbar vor dem Durchzug der Kaltfront wurden extrem milde Temperaturen gemessen. In Evionnaz im Kanton Wallis war es beispielsweise um 2.40 Uhr 19,3 Grad warm. An einigen Messstationen (v. a. in der Südwestschweiz) seien sogar neue Februarrekorde aufgestellt worden.

Auch in Tschechien und in Deutschland kam es zu Sturmschäden. Es habe vor allem im Schwarzwald, am Bodensee sowie im Alpenvorland verbreitet und häufig Sturmböen, teils auch orkanartige Böen oder Orkanböen gegeben, berichtete wetter24.de, die höchsten Windgeschwindigkeiten seien mit 145 km

h auf dem Feldberg/Schwarzwald und auf der Zugspitze registriert worden. Außerdem sei verbreitet kräftiger Regen gefallen, lokal sogar fast 150 Liter pro Quadratmeter. (APA, dpa, TT)

In weiten Teilen Europas – im Bild Frauenfeld (Kanton Thurgau) – mussten die Feuerwehren ausrücken.
© UNBEKANNT
Umstürzende Bäume richteten z. B. in Basel große Schäden an, als der Orkan mit bis zu 171 km/h über die Schweiz fegte.
© APA

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