Viele Benzinkanister landen in Osttirol jedes Jahr im Wald

Gerhard Lusser, Umweltberater des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol, schlägt Alarm: Die Verschmutzung der Wälder nimmt massiv zu. Hinterlassenschaften gelangen über die Böden in die Nahrungskette.

Alle künstlichen Hinterlassenschaften in den Wäldern gelangen irgendwann in die Nahrungskette, warnt der Umweltberater Gerhard Lusser.
© Gerhard Lusser

Von Christoph Blassnig

Lienz – Das achtlose Wegwerfen von allem, was gerade nicht mehr gebraucht wird (neudeutsch „Littering“ genannt) nimmt allen Bemühungen der Fachleute zum Trotz auch in Osttirol massiv zu. Und zwar überall dort, wo Menschen hinkommen, auch in entlegener und sonst völlig unberührter Natur.

In seiner langjährigen Arbeit für den Abfallwirtschaftsverband (AWV) Osttirol hat der Umweltberater Gerhard Lusser vieles an Verschmutzung im Bezirk gesehen. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, lautet ein Leitspruch für ihn. Lusser hält Vorträge und bietet Workshops an den Schulen an, um schon den Kindern die Notwendigkeit der Müllvermeidung zu vermitteln. „Im letzten Jahr war ich privat viel in den verschiedenen Wäldern im gesamten Bezirk unterwegs“, berichtet Lusser.

Sehr erfolgreich war dabei seine Suche nach Pilzen („Ich schneide sie ab, und reiße sie nicht aus“), doch allein der Fund von einem guten Dutzend Benzinkanistern, die er von seinen Wanderungen mitgebracht hat, versetzte den Umweltberater in Aufruhr. „Zum Teil waren sie neu und enthielten noch eine gute Menge Treibstoff. Weder der Inhalt noch die Behälter selbst haben in der freien Natur etwas verloren“, ärgert sich Lusser. Er glaubt auch nicht, dass es sich so häufig um ein Versehen handeln kann. „Die Dinge werden einfach zurückgelassen, nach dem Motto: Hinter mir die Sintflut.“

Die Hinterlassenschaften seien in vielfacher Weise für Pflanzen und Tiere schädlich. Die Abbauzeit von Plastikflaschen in der Natur beträgt 300 Jahre, jene von Kanistern 500 Jahre, jene von Glas 4000 Jahre. „Die Weichmacher und Flammhemmer in den Kunststoffen vergiften das Wasser und die Böden, das Material zerfällt zu Mikroplastik, wird zellgängig und gelangt in die Nahrungskette“, warnt der Müllsachverständige. „Dann hat man weniger Freude mit seinem reichhaltigen Pilzefund.“

Bis zu 8400 Euro an Bußgeld können für das Wegwerfen von Abfällen verhängt werden. „Viel wichtiger als Strafe ist die Aufklärung. Uns allen muss bewusst sein, dass wir mit unseren Zigarettenstummeln, Papiertaschentüchern und Alubehältnissen Giftstoffe in unsere Umwelt einbringen.“ Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Konzentration von Mikroplastik im Boden bis zu 23-mal höher sein kann als im Meer. „In Schweden haben Wissenschafter in Verpackungen 1400 Chemikalien nachgewiesen“, weiß der Umweltberater. „Nur für 260 davon gibt es überhaupt Bezeichnungen. Die Additive in den Recyclingprozessen gehen nämlich immer neue Verbindungen ein.“

Die beiden Abfallwirtschaftsverbände Westkärnten und Osttirol haben erstmals gemeinsam einen Info-Folder „Umweltbewusste Forstarbeit“ aufgelegt. Die viersprachige Broschüre soll über die Gemeinden und Forstveranwortlichen auch ausländische Arbeitskräfte aufklären.


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