Enzianhütte in neuem Glanz: Das Inntal zu Füßen

Die Enzianhütte oberhalb von Rum erstrahlt in neuem Glanz: In sechs Monaten wurde das Gebäude aufgestellt, eine kurzweilige Wanderung führt zu der Einkehr.

Traumhafter Blick auf die Landeshauptstadt
© Irene Rapp

Von Irene Rapp

Rum –Ganz ehrlich gesagt: Die Menschen, die über den Winter jammern, kann ich nicht verstehen. Die Tage zu kurz, der Schnee zu lästig, die Temperaturen zu niedrig – all diese Argumente werden Winter-Begeisterte nie überzeugen. Wie wunderbar die vierte Jahreszeit nämlich sein kann, zeigte sich einmal mehr am gestrigen Donnerstag bei einer südseitig ausgerichteten Wanderung vom Schießstand in Arzl zur Enzianhütte auf ca. 1041 Metern.

Der Neuschnee knirschte unter den Füßen und glitzerte filmreif in der Sonne. Darüber blauer Himmel und die Nordkette zum Greifen nah. Mit den schneebedeckten Bäumen ein wunderschönes Fotomotiv so wie auch der Ausblick von der Enzianhütte auf die Landeshauptstadt. Nachdem einige Personen den Weg schon begangen haben, gibt es eine Spur im teilweise dreißig Zentimeter tiefen Schnee – robustes Schuhwerk und feste Kleidung sowie Stöcke sind empfehlenswert.

Die Enzianhütte in neuem Glanz
© Irene Rapp

So kommt man hin: Ausgangspunkt ist der Landesschießstand in Arzl. Von dort geht es zunächst auf geräumter Straße in nordwestlicher Richtung einige Meter bergauf, bis man eine Wegteilung erreicht. Die Straße rechter Hand führt zum Rechenhof, wir jedoch halten uns Richtung Wald und gehen links am Brunnen vorbei.

Nach einer Rechtskurve und wenigen Metern gelangt man wieder zu einer Wegteilung mit Wegweisern, hier hält man sich geradeaus und biegt in einen Hohlweg mit der Nummer 13 ein. Apropos Beschilderung: Die Enzianhütte kann man nicht verpassen, an jeder fragwürdigen Stelle stehen Wegweiser.

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Wie die Hütte früher aussah, zeigt diese alte Aufnahme
© Irene Rapp

Nun geht es leicht den Wald bergauf, meist mit viel Baumbewuchs, hin und wieder kann man auf das Inntal blicken. Bald wird es heller und man erreicht eine riesige Lichtung, die man quasi in der Mitte – zwischen zwei Zäunen – quert. Die Arzler Scharte ist zum Greifen nah, am gestrigen Donnerstag hörte man auch immer wieder die Detonationen der Lawinensprengungen auf der Nordkette. Am Ende des Weges über die Lichtung gelangt man zu einer geräumten Straße, hier hält man sich links und marschiert Richtung Westen.

Bei einer Wasserfassung, an der man links vorbeigeht, landet man dann erneut im Wald und das Gehen im hohen Schnee wird wieder ein wenig anstrengender. Ab nun leicht bergauf, bei einer Wegteilung bleibt man rechts und erreicht das steilste Stück der Wanderung. Laut Wegweiser benötigt man für dieser aber nur zehn Minuten und dann hat man nach rund 50 Minuten die gemütliche Einkehr auch schon erreicht.

Seit 1. Februar ist die auf Rumer Gemeindegebiet liegende Enzianhütte offiziell in Betrieb, im Jänner gab es eine Probephase. Das Gebäude wurde nämlich im vergangenen Jahr abgerissen und nach unvorstellbaren sechs Monaten Bauzeit wieder geöffnet. „Wir haben das Haus vor drei Jahren gekauft, das wurde 1975 von Albin Leismüller aufgestellt und war in die Jahre gekommen“, erzählt Birgit Kircher. Die Arzlerin führt die Enzianhütte gemeinsam mit Ehemann Josef sowie den Söhnen Josef und Andreas und erzählt von einer fensterlosen Küche und winzigen Toiletten im alten Haus.

Der Purnhof
© Irene Rapp

Das neue Gebäude hingegen spielt alle Stücke: großzügige Gasträume – in einem davon kann man durch ein Fenster den Arbeitenden in der Küche zusehen –, geräumige WCs und das alles geprägt von einem rustikalen Einrichtungsstil. Seit 1840 steht an diesem Platz ein Gebäude, früher trug es den Namen Mersihütte, seit 1909 Enzianhütte. Bilder von damals wird man bald im neuen Haus bewundern können: „Ein Gast hat die Geschichte aufgearbeitet und uns Fotos gebracht“, erzählt Kircher.

Den Rückweg kann man dann wieder auf demselben Weg antreten (der übrigens nicht lawinengefährdet ist). Eine andere Variante führt über den Almweg retour zum Ausgangspunkt. Dazu von der Hütte aus in östlicher Richtung kurz durch den Wald und dann auf dem Almweg hinunter zur Sieben-Wege-Kreuzung. Von dort dann über den Rechenhof zurück zum Schießstand. Der Almweg wird übrigens als Rodelbahn präpariert und genutzt (am gestrigen Donnerstag wegen Lawinengefahr allerdings gesperrt). Für die Rodelpartie ist der Ausgangspunkt dann die Sieben-Wege-Kreuzung oberhalb des Sanatoriums in Rum. Birgit Kircher erteilt aber gern telefonisch Auskunft, ob die Rodelstrecke gesperrt ist oder nicht (Tel. 0650/9676020).

© TT-Grafik

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