Pilotmodell für Heime ohne Leitung in Tirol

33 Heime testen nun im bereits dritten Jahr ein neues, umstrittenes Tarifmodell – und stehen plötzlich ohne Projektkoordination da.

Innsbruck – Es ist ein Konzept mit veritablen Startschwierigkeiten. Die Idee dahinter ist an sich gut und unumstritten: mittels einheitlichem Kosten- und Tarifmodell sollen alle Wohn- und Pflegeheime vergleichbare Qualitäts- und Leistungsstandards bekommen. Das Mittel dazu ist die so genannte „Tagsatzkalkulation neu“. Diese sichert die Finanzierung des Betriebs. Tagsätze werden pro Heim und Bewohner vom Land gewährt. Nach einer ersten Phase 2018 mit 22 sind es nunmehr 33 Heime, die sich in dieser Pilotphase befinden. 2021 soll das System auf alle 89 Heime ausgerollt werden. Dass die standardisierten Tagsätze jedoch mitunter nicht kostendeckend sind – diese Kritik flammte 2019 mehrmals auf, die TT berichtete.

In dieser schwierigen Phase stehen diese Heime nun aber seit Jahresbeginn ohne Projektkoordinatoren da. „Die Projektleitung hat sich still und heimlich verabschiedet“, sagte Robert Kaufmann, Obmann der ARGE Altenheime, unlängst am Rande einer Pressekonferenz. Gemeint ist damit die GemNova, eine Tochterfirma des Tiroler Gemeindeverbandes. Es heißt, Land und GemNova seien sich im Sommer finanziell nicht über die Verlängerung des Auftrags einig geworden. Bestätigen will man das weder beim Land noch bei der GemNova. Dort heißt es von Sprecher Manfred ­Schiechtl lediglich, dass „die ­Begleitung der Tarifreform mit Vertragsende ausgelaufen“ sei. Vorerst, so heißt es, soll die Sozialabteilung des Landes einspringen.

Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg (VP) bestätigt, dass es einen neuen Projektzuständigen brauche. Jedoch würde die Feinabstimmung der Tagsatzkalkulation inzwischen weiterlaufen. (mami)

Offener Brief erntet wenig Reaktionen

In die Gehaltsdebatte der Pflegekräfte haben sich kürzlich auch die Vertreter der medizinisch-technischen Dienste (Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie etc.) eingeschaltet. Wie berichtet, sehen auch sie sich mit drohenden Gehaltseinbußen durch das neue Gemeinde-Vertragsbedienstetengesetz konfrontiert.

In einem offenen Brief an alle Landtagsfraktionen, Regierungsmitglieder und Sozialpartner fordert man nun, auch die MTD-Mitarbeiter in die von LR Bernhard Tilg und LR Johannes Tratter (beide VP) angekündigte Überarbeitung miteinzubeziehen und zu berücksichtigen.

Die Reaktionen sind bis dato dürftig, wie der stv. Landessprecher Markus Geiregger bestätigt. Im Landtag wurde diese Woche einem diesbezüglichen Antrag der Liste Fritz zwar die Dringlichkeit zuerkannt, selbiger aber einem Ausschuss zugewiesen. Für LA Andrea Haselwanter-Schneider nichts anderes als eine „Warteschleife“.

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