Visionen von einem produktiven Stück Stadt in Innsbruck

Peter Lorenz denkt laut über Innsbrucks stadträumliche Metamorphose nach.

Peter Lorenz hat sehr konkrete Vorstellungen, wie aus dem Gewerbegebiet Mühlau/Arzl ein attraktives Stück Stadt werden könnte.
© lorenz

Von Edith Schlocker

Innsbruck – „Wir Architekten sind für die Stadt verantwortlich“, sagt Peter Lorenz, „doch das wird uns immer mehr genommen.“ Stattdessen würden „überforderte Politiker dilettantische Entscheidungen treffen“, weshalb er einen öffentlichen Diskurs über die Zukunft Innsbrucks anzetteln will. Denn das von dessen Gemeinderat am 19. Juni 2019 als strategisches Planungsinstrument für die stadträumliche Entwicklung in den kommenden zehn Jahren beschlossene ÖROKO 2.0 bietet laut Lorenz „keine Visionen“, schreibe nur den Ist-Zustand fort. „Wir Architekten halten uns aber nicht in der Vergangenheit auf, sondern planen für die Zukunft“, so der international umtriebige Baukünstler mit Büros in Innsbruck und Wien.

Um am Beispiel des Gewerbegebiets Mühlau/Arzl seine Visionen von einer „produktiven Stadt“ mit hoher Dichte und vertikalem Nutzungsmix zur Diskussion zu stellen. Ein rund 200.000 Quadratmeter großes Gelände, das für Lorenz derzeit als „chaotisches Durcheinander unterschiedlicher Nutzungen“ daherkommt, obwohl es seit dem Jahr 2000 als reines Gewerbegebiet ausgewiesen ist.

Angesichts des Wachsens der Stadt in einem engen Siedlungsraum, in dem es kaum noch freie Flächen gibt, kann Peter Lorenz sich vorstellen, dass hier in den kommenden Jahrzehnten ein komplett neues Stück Stadt entstehen könnte. Als Mischgebiet, das von einem zentralen Boulevard durchpflügt wird. In den Erdgeschoßen sollte wohnungsverträgliches Gewerbe angesiedelt werden, in den Ebenen darüber könnten nach den Vorstellungen von Lorenz rund 9000 leistbare Wohnungen entstehen. Womit das prophezeite Bevölkerungswachstum Innsbrucks in den nächsten Jahren locker abgefangen werden könnte.

Der Innsbrucker Stadtplanung hat Lorenz seine Pläne bereits präsentiert, sie habe ihm allerdings geantwortet, „das sei nicht ihr Weg“. Lorenz’ Architektenkollegin Kathrin Aste verteidigt die Stadtplaner, diese seien sich dieser Problematik durchaus bewusst, sie sei wegen des innovationsfeindlichen Tiroler Raumordnungsgesetzes aber ohnmächtig. Die Architektenschaft schielt diesbezüglich neidvoll nach Vorarlberg bzw. Südtirol und tröstet sich vorerst mit der Hoffnung auf jüngere Bürgermeister, die keine Angst vor Konflikten zwischen Bewohnern und Gewerbetreibenden in Mischgebieten haben.

Eine Enquete zu diesem brisanten Thema im Innsbrucker Gemeinderat ist für März geplant.


Kommentieren


Schlagworte