Haus in Landeck soll abgerissen werden: „Ein sehr altes und sehr wertvolles Haus“

Laut Bundesdenkmalamt ist es eines der ältesten Gebäude von Landeck. Das Haus Riefengasse 10 soll für ein Wohnprojekt abgerissen werden.

Der typische Spitzbogen für ein gotisches Haus, es soll über 500 Jahre alt sein.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Landeck – Droht einem der mutmaßlich ältesten Gebäude von Landeck schon bald ein Ende unter einer Abrissbirne? Das Wohnhaus in der Perjener Riefengasse 10 wird derzeit vom Bundesdenkmalamt unter die Lupe genommen - ein Verfahrens für eine Unterschutzstellung dürfte demnach in Vorbereitung sein.

Auf dem Gelände sollen zwei Wohnanlagen errichtet – und ein über 500 Jahre altes Wohnhaus abgerissen werden. Die TT berichtete. Dass es sich um einen sehr alten, sehr wertvollen Bau handelt, das bestätigte man Seitens des Bundesdenkmalamt gestern gegenüber der TT. Die Fachleute halten es eines der ältesten erhaltenen Gebäude in Landeck überhaupt. Es sei nicht nur im Kern gotisch, so die Stellungnahme. Die Erhaltungszustand sei beeindruckend gut. Anfang des 20 Jahrhunderts hätten die Eigentümer, das Gebäude zwar aufgestockt, die Änderungen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss seien aber marginal.

Und es hatte wohl zwei bekannte Bewohner. Die Indizien deuten darauf hin, dass es das Geburtshaus von Josef Stapf ist. Der Mathematiker gilt als Begründer des Lehrstuhls für praktischen Mathematik an der Universität Innsbruck. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte hier wohl auch der Bildhauer Josef Reheis seine Werkstätte,

Im Gemeinderat trifft man derzeit die Vorbereitungen für das Wohnprojekt. Nach Kritik Seitens der Opposition wurden die Beschlüsse in der vergangenen Sitzung allerdings vertagt. Die Mandatare hatten im vergangenen Herbst den Bebauungsplan für das Grundstück noch einstimmig beschlossen. Nach Anrainerprotesten und vier Stellungnahmen waren die geplanten Wohngebäude dann allerdings abgeändert worden.

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Die SPÖ bemängelte nun, die Unterlagen zum Projekt zu spät bekommen zu haben. „Bis eine Stunde vor der Sitzung wusste ich nicht, was überhaupt beschlossen werden soll“, kritisierte unter anderem GR Manfred Jenewein. Er könne sie so keine Meinung bilden. Keine Absicht dahinter sah Bürgermeister Wolfgang Jörg, er drängte zunächst darauf, eine Entscheidung zu treffen. Wie man betonte, sei das Projekt auch im Ausschuss behandelt worden. Schließlich einigte man sich auf eine Verschiebung der Beschlüsse um 14 Tage,

Das Bundesdenkmalamt hätte genügend Zeit gehabt, das Gebäude in den Kataster schutzwürdiger Gebäude aufzunehmen, kritisierte Vizebürgermeister Thomas Hittler die aktuellen Untersuchungen. „Unterste Schublade“ sei, dass sich Personen Zutritt zum Gebäude verschafft hätten, um Fotos zu machen und diese den Denkmalexperten zukommen zu lassen. Dem widerspricht die Bürgerinitiative, die sich gegen das neue Wohnprojekt wendet. Die Fotos seien mit Zustimmung eines „Kümmerers des Hauses“ gemacht worden. Das Gebäude sei es wert, dokumentiert zu werden.

Der Projektbetreiber, der Imster Bauunternehmer Stefan Krismer rechnet mit einer Abwägung der Argumente für eine Unterschutzstellung - „das wird dann von der Behörde, bzw. dem Bundeverwaltungsgericht entschieden“ - deutet er bereite eine mögliche Berufung an. „Abriss ist aktuell kein Thema.“


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