Bio-Bauerntag in Rotholz: Klimaextreme fordern die Landwirtschaft

Beim ersten Bio-Bauerntag in Rotholz sprachen Experten über Extremwetterereignisse und die Auswirkungen auf Tiroler Betriebe.

Die Landwirte stehen vor großen Herausforderungen. Extremwetterereignisse wie Dürre können zu Ernteausfällen führen.
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Rotholz – Den Klimawandel kann man nicht mehr leugnen. „Er ist etwas Reales und findet statt“, sagt Helga Kromp-Kolb. Die Klimaforscherin und Meteorologin aus Wien hielt gestern einen Vortrag an der Landwirtschaftliche Landeslehranstalt Rotholz im Rahmen des ersten Tiroler Bio-Bauerntags, organisiert von Bio Austria Tirol.

„Seit den 70er-Jahren geht der Trend hin zur systematischen Erderwärmung“, so Kromp-Kolb. „2016 war das wärmste, 2019 das zweitwärmste Jahr, das wir gemessen haben.“ Extremwetterereignisse wie Stürme, Überschwemmungen oder Dürre nehmen eindeutig zu. Wetterlagen werden – nicht zuletzt, weil sich die Eisbedeckung in der Arktis verändert – in Zukunft länger anhalten und die Wahrscheinlichkeit der Extreme wird somit steigen. Die Auswirkungen bekommen vor allem Landwirte zu spüren. Ernteausfälle und Ertragseinbußen sind die Folge. „Früher konnte man mit dem Rechen in jede Wiese stechen, heute braucht man einen Pickel dazu“, beklagte etwa ein Zuhörer im Publikum. Der Boden verdichte sich immer mehr. Tatsächlich sind Grasland-, Bodenpflege und Bodenerhaltung ganz wesentliche Punkte, wo Landwirte aktiv eingreifen können, um ökologische Krisen zu bewältigen. Früher waren Almwiesen von Alpenblumen übersät und strotzten vor Vielfalt, das kam wiederum dem Vieh zugute, erklärte Referent Walter Starz von der Universität für Bodenkultur in Wien. Heute geht diese Diversität zurück. Mit einer guten Düngung könne man Wiesen aber wieder sanieren und Böden klimafit machen.

„Wir können nicht die Pflanzen vom Mittelmeer übernehmen. Es wird weiterhin Frost geben", sagt Helga Kromp-Kolb 
(Klimaforscherin).
© Vanessa Rachlé / TT

Die Hitzeereignisse werden außerdem dazu führen, dass neue Produkte in unseren Breiten angebaut werden, sagt Kromp-Kolb. Der Zitronenbaum werde in Tirol aber dennoch in nächster Zeit nicht überleben. „Die Pflanzen können nicht eins zu eins vom Mittelmeerraum übernommen werden, da es weiterhin Frost und kalte Phasen geben wird“, erklärt die Klimaaktivistin. Neben den Wiesen steht auch der Wald vor wachsenden Herausforderungen. Schon jetzt müsste eine Mischung von Bäumen gepflanzt werden, die jetzt gedeihen und das später, wenn es noch wärmer wird, auch tun“, betont Kromp-Kolb.

Doch nicht nur die Landwirte, sondern auch die Konsumenten sind gefragt. Indem sie regional, saisonal und in Bio-Qualität einkaufen, auf Massentierhaltung verzichten und nur das erwerben, was sie wirklich brauchen. (nic)


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