Tiroler Betroffene warnen: „Jeder kann Alkoholiker werden“

Anonyme Alkoholiker in Wörgl treten an die Öffentlichkeit und warnen vor den Gefahren des Missbrauchs des Rauschmittels.

Die Meetings der Anonymen Alkoholiker finden seit 40 Jahren im Wörgler Tagungshaus statt.
© Spielbichler

Wörgl – „Jeder hat die Chance, Alkoholiker zu werden“ – ein Satz, der provokativ klingt, den die Mitglieder der Selbsthilfegruppen der Anonymen Alkoholiker (AA)allerdings real erleben und es gemeinsam schaffen, den Teufelskreis der Suchterkrankung zu durchbrechen. „Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen“, bringt es Franz auf den Punkt, der vor 40 Jahren im Wörgler Tagungshaus die erste AA-Gruppe im Tiroler Unterland ins Leben rief. Zum Jubiläum gibt’s am 2. Mai ganztags eine öffentliche Informationsveranstaltung im Wörgler Tagungshaus, das die AA-Meetings seit den Gründungstagen beherbergt.

Alkoholkrankheit wird noch immer verharmlost, verschwiegen, geleugnet. Mit fatalen Folgen für Betroffene und das Umfeld. „Alkoholismus ist eine Familienerkrankung, die alle Gesellschaftsschichten betrifft“, ruft Gerhard, selbst „trockener“ Alkoholiker, beim Pressegespräch im Tagungshaus ins Bewusstsein, bei dem drei mutige Menschen Einblick in ihr Leben als Erkrankte und Angehörige sowie in die Arbeit in der Selbsthilfegruppe gaben.

In Österreich gelten offiziell 350.000 Menschen als alkoholkrank – die Dunkelziffer liege aber weitaus höher, und 700.000 zeigen ein problematisches Alkohol-Konsumverhalten, nahe an der Sucht. Trotz glücklicherweise vieler Therapieeinrichtungen ist Alkoholmissbrauch ein massives gesellschaftliches Problem. „Die Alkoholkrankheit kann nur zum Stillstand gebracht werden – sie ist nicht heilbar. Da hilft nur das Weglassen des Suchtmittels“, betont Gerhard, der selbst den „kalten Entzug“ mit Unterstützung der AA-Selbsthilfegruppe geschafft hat und deshalb weiß, wie wichtig die wöchentlichen Meetings im vertraulichen Kreis sind.

Mittlerweile gibt es zwei Treffen jeweils montags und freitags sowie eine Angehörigen-Gruppe, Al-Anon, die montags zu den Meetings kommt. Die Gruppen bestehen aus 10 bis 12 Leuten, alle Mitglieder sind gleichberechtigt, lediglich ein „Worterteiler“ wird von der Gruppe jeweils für ein Jahr gewählt.

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Mittlerweile bestehen 17 Gruppen in Tirol, jene im Tiroler Unterland wurden großteils von Wörgl aus gegründet, auch die Selbsthilfegruppe im bayerischen Kiefersfelden.

„Jeder Rausch ist bereits Alkoholmissbrauch“, stellt Gerhard klar, der auch an Schulen über das Angebot der Selbsthilfegruppe informiert und dabei immer wieder mit Schicksalen und den Leiden der Kinder konfrontiert ist. (vsg)


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