Tirols Lehrer mit 324.000 Überstunden: „Liegt in der Natur der Sache“

Österreichweit sind im Schuljahr 2018/19 in Summe 5,1 Millionen bezahlte Stunden an Mehrdienstleistungen und Einzelsupplierungen erbracht worden. NEOS und die Gewerkschaft sind alarmiert.

Überstunden sind an Österreichs Schulen eher Regel als Ausnahme, zeigt eine Anfragebeantwortung.
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Wien, Innsbruck – Im Schuljahr 2018/19 leisteten Tirols Lehrer 324.171 bezahlte Überstunden. Davon entfielen 179.350 Stunden auf die Pflichtschullehrer, 144.821 auf das Lehrpersonal im Bundesdienst. In Summe wurden dafür knapp über 18 Millionen Euro ausbezahlt.

Österreichweit sind im vorigen Schuljahr 5,1 Millionen bezahlte Stunden an Mehrdienstleistungen und Einzelsupplierungen erbracht worden. Die Kosten dafür lagen bei rund 300 Millionen Euro, wie die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der NEOS durch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) zeigt. Tirol liegt im bundesweiten Trend, was die Entwicklung bei den geleisteten Überstunden des Lehrpersonals anbelangt.

Die Zahl der erbrachten Stunden an Mehrdienstleistungen und Einzelsupplierungen stieg, so wie fast überall in Österreich, bei den Pflichtschullehrern leicht an – von 167.489 im Schuljahr 2017/18 auf 179.350 im Vorjahr. Bei den Lehrerinnen und Lehrern im Bundesdienst sank sie von 157.829 (2017/18) auf 144.821 (2018/19). Auf Anfrage der TT teilte Tirols Bildungsdirektor Paul Gappmaier mit, dass Überstunden „in erster Linie durch Abwesenheiten“, die naturgemäß im Laufe des Schuljahres entstünden, nötig werden würden.

„Im Pflichtschulbereich leistete eine Lehrperson im vorigen Schuljahr durchschnittlich zwischen 21 und 23 Überstunden“, so Gappmaier. Im Bundesschulbereich seien es im Schnitt zwischen 44 und 47 Stunden pro Lehrer gewesen. „Bei mehr als insgesamt 600 Schulen und rund 11.000 Lehrpersonen kommt es regelmäßig zu kurz- und längerfristigen Krankenständen, zu Schwangerschaften, Pflegefreistellungen, Pensionierungen“, meint Gappmaier. „Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Abwesenheiten unter anderem durch Überstunden kompensiert werden müssen.“

Anders sieht das die Bildungssprecherin der Bundes-NEOS, Martina Künsberg Sarre. Für sie zeigen die Zahlen „die prekäre Personalsituation in den Schulen“. Die Zahl der Überstunden alarmiert die NEOS, die die Anfrage an Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) gestellt haben. Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre sieht darin einen Beleg für den Lehrermangel an Österreichs Schulen: „Es wurde und wird zu wenig getan, um mehr Lehrkräfte auszubilden und den Beruf attraktiver zu machen“, so Künsberg Sarre.

„Es ist an der Zeit, neue Wege für den Lehrerinnen- und Lehrer-Beruf zu gehen.“ Dazu gehörten Ausbildungsangebote für Quereinsteiger aus anderen akademischen Berufen und bessere Anrechnungsmöglichkeiten bei der Gehaltseinstufung. Auch Lehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger ist für Erleichterungen für Quereinsteiger, wie er im Ö1-Mittagsjournal erklärte. Für ihn sind die Zahlen aus der Anfragebeantwortung plausibel. Die Gewerkschaft weise seit Jahren darauf hin, dass sich die Lage in den kommenden Jahren noch verschärfen werde, da eine Pensionswelle anstehe. 60.000 neue Lehrkräfte brauche es, um das abzufangen, meint Kimberger. Was die Gewerkschaft nicht will: die Überstunden in Normalstunden umwandeln, indem die Lehrverpflichtung erhöht wird. Kimberger und Künsberg Sarre sprechen sich auch für mehr Zusatzpersonal an den Schulen aus: Sozialarbeiter, Psychologen und Verwaltungspersonal. (bfk, car)


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