Slalom-Damen schossen nach „Friendly Fire“ zurück

Drei in den Top sechs, darunter ein dritter Platz durch Katharina Truppe - Kranjska Gora ist für Österreichs Slalom-Damen die Reise wert gewesen. „Man sieht, dass wir als Slalom-Mannschaft immer stärker und stärker werden“, sagte die Kärntnerin Truppe auch angesichts von Kritik aus den eigenen Reihen. Wenige Tage zuvor hatte ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel die Damen ob ihrer Performance gerügt.

In Saalbach hatte der Präsident sinngemäß gemeint, dass der drohende Verlust des Nationencups darauf zurückzuführen sei, dass sie ihrer Form aus dem Vorjahr hinterherfahren würden. „Wenn die Damen die normalen Leistungen bringen, wären wir gar nicht hinten“, sagte Schröcksnadel im ORF-Fernsehen. Bekanntlich ist die Schweiz ja drauf und dran, zum ersten Mal seit dem Winter 1988/89 wieder führende Alpin-Nation zu werden.

Wobei die Spitze des Tirolers wohl eher die weibliche Speed-Abteilung treffen sollte, die noch in der Saison 2018/2019 alles in Grund und Boden fuhr. Die Slalom-Fahrerinnen kann Schröcksnadel nicht gemeint haben, standen Truppe und Co. doch schon vor Kranjska Gora gut da. Und nun gab es den dritten dritten Platz in diesem Winter. Truppe selbst zierte schon in Levi das Podium, Katharina Liensberger war die Dritte von Zagreb.

Als Antwort auf Kritiker wollte Truppe das Ergebnis vom Sonntag daher auch nicht verstanden wissen. „Ich finde, die halten wir heuer eh ganz gut im Zaum, weil die Liensi auch schon ein Podest hat. Von dem her kann mir jetzt keiner sagen, dass unsere Saison schlecht ist“, meinte die 24-Jährige. Sie ortete generell eine positive Stimmung im Team. „Auch im Training läuft es ganz gut, wir pushen uns wirklich ans Limit.“

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

In Kranjska Gora fuhr Liensberger auf den fünften Platz, Chiara Mair wurde Sechste. Katharina Huber belegte den 16. Platz. „Das war ein toller Angriff“, befand Damen-Rennsportchef Christian Mitter. „Auch Katharina Huber hat bis zur letzten Zwischenzeit alles gegeben und voll attackiert, hat ein bisschen gebremst, aber es war eigentlich von allen vier Damen ein guter Lauf.“

Mit Platz drei habe er gar nicht mehr gerechnet, meinte Mitter. „Aber das habe ich immer gesagt, wir müssen einfach da sein, wenn vorne wer auslässt oder etwas passiert. Das war heute so.“ Weil die Breite stimmt, sind Österreichs Damen sogar die Nummer eins im Slalom. „Ja, rein nach Punkten sind wir das“, sagte der Steirer. 817 Punkte holten die Österreicherinnen bisher, 633 die Damen aus der Schweiz.

Die Kritik von Schröcksnadel habe Mitter weder gehört noch gelesen, grundsätzlich habe der Präsident aber das Recht, seine Meinung kundzutun. „Man erwartet sich viel, ist eh klar. Es ist eine große Skination“, betonte er. Und fügte hinzu, dass Kritik zu seinem Leben dazugehöre. „Wir werden das sicher lösen so, dass alle zufrieden sind.“

Der Sieg ging am Sonntag wie schon zuvor in Zagreb und Flachau an Petra Vlhova, die im zweiten Durchgang den Turbo zündete und vom Ausfall der Schwedin Anna Swenn Larsson profitierte. „Heute hatte ich Glück“, gab die Slowakin zu, die 2020 im Slalom nach wie vor ungeschlagen ist.

Ein dramatisches Finish zeichnet sich auch immer mehr um den Gesamtweltcup ab, den bald entweder Vlhova oder Federica Brignone anführen könnte. 113 Punkte liegt die pausierende Mikaela Shiffrin noch vor Brignone, auf Vlhova hat sie 154 Zähler gut. Die Führung könnte sogar schon am kommenden Wochenende wechseln. In Crans-Montana stehen am Freitag und Samstag je eine Abfahrt sowie am Sonntag eine Kombination auf dem Programm. Bei Shiffrin ist nach wie vor unklar, wann sie nach dem Tod ihres Vaters Jeff wieder Rennen bestreiten wird.


Kommentieren


Schlagworte