Mustang Mach-E: Dem Namen verpflichtet

Erste exklusive Ausfahrt mit dem Mustang Mach-E: Fords Antwort auf Jaguar I-Pace, Audi e-tron und Tesla Model X kommt als durchdachter Stromer zum Kampfpreis.

Vollelektrische Alternative mit einem Namen, der für Dynamik und Lebensgefühl steht – nun eben auch für eine neue Art davon: der Mustang Mach-E.
© Werk

Von Stefan Pabeschitz

London – Musste es ausgerechnet Mustang sein? Nicht nur erklärte Fans müssen erst einmal verdauen, dass der Name der US-Sportwagenlegende ab sofort auch für Fords ersten Ausflug ins Vollelektrische steht.

Wenn man sich schon an einer Ikone vergreift, dann vollständig: Das erste alternative Mustang-Modell nach über 55 Jahren kommt also nicht im Coupé-Gewand daher, sondern in aktueller Trend-Gestalt – als SUV-Crossover. Dazu annektiert es auch noch die angestammte Eskalations-Bezeichnung der Top-Mustangs, zugleich die physikalische Bezeichnung für Schallgeschwindigkeit: Mach, anstatt wie bei den V8-Monstren früherer Tage mit der Zahl 1 oder 2 dahinter nun durch den gängigen Zusatz für Batteriestromer ergänzt, also E.

Das angestammte Coupé-und Cabrio-Format war natürlich nicht im Handstreich auf ein viertüriges SUV umzumünzen. Mehr als ein paar Anleihen bei den Heckleuchten der aktuellen Baureihe finden sich demnach beim Mach-E nicht. Dafür versteht er es, seine immerhin mehr als 4,7 Meter Länge recht kompakt aussehen zu lassen. Auf den 18-Zoll-Rädern sind mit 225/60 Pneu-Dimensionen aufgezogen, die für Abrolleffizienz und Fahrkomfort zugleich stehen.

Das Cockpit verläuft in zwei waagrechten Ebenen, die obere aus einem durchgehenden B & O-Boxensystem bestehend. Blickfang ist der hochkant freistehende 15,5-Zoll-Bildschirm in der Mitte, auf dem sich praktisch alle Funktionen digital steuern lassen. Software-Updates passieren künftig „over the air“, also automatisch. Eine praktische Idee am Rande: Die jeweils letzte Variante bleibt gespeichert – wer mit der neuesten Version nicht zufrieden ist, kann jederzeit zurückwechseln. Gegen den ungewohnt großen Zentralbildschirm wirkt das Instrumenten­display mit Bandtacho-Format und linearen Anzeigen beinahe schüchtern.

Das Konstruktionsprinzip des Strom-Mustangs folgt den gängigen Standards: Akkus in der Bodenplatte mit eigenem Kühl-/Heizkreislauf, die nur mit Heckantrieb erhältliche Basisversion mit 258 PS soll 450 Kilometer Reichweite schaffen, darüber werden 285 PS oder 337 PS angeboten, wahlweise mit Allrad, also mit je einem E-Motor pro Achse. Die Long-Range-Option soll die Reichweite der Heckantriebs-Modelle auf bis zu 600 Kilometer erhöhen, für die 4WDs gehen sich damit 540 Kilometer aus. Ein GT mit 465 PS, 500 Kilometern Reichweite und einer Spurtzeit für 0 auf 100 km/h unter 5 Sekunden wird noch heuer präsentiert.

Für die Fahrwerksabstimmung der Europa-Versionen hat Ford die Ingenieure abgestellt, die bereits bei den ST-Modellen von Focus und Fiesta ihre Kompetenz bewiese­n haben. Dementsprechend verfügt auch der Mach-E über untadelige Handling-Qualitäten. Die Lenkung ist mit geringfügig mehr als drei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag betont direkt, der Wendekreis liegt bei nur 11,6 Metern. Für souveräne Fahrruhe sorgt der mit fast drei Metern recht beeindruckende Radstand.

Mit ansprechender Spurtstärke überzeugte auch die für die erste Testfahrt zur Verfügung gestellte 285-PS-Variante mit Allrad: Die nominell acht Sekunden bis zum ersten Hunderter sagen nicht ansatzweise aus, wie sich der ab der ersten Sekund­e anliegende Schub von 580 Newtonmetern Drehmoment tatsächlich anfühlt. Über die Gewichte, die damit bewegt werden, schweigt Ford noch – sie dürften aber deutlich jenseits von 2,2 Tonnen liegen. Noch nicht installiert war bei der ersten Ausfahrt der angekündigte digitalisierte Fahrzeugsound – an diesem Feature wird noch getüftelt. Nur dass es definitiv kein künstlicher V8-Klang sein wird, war den Technikern schon zu entlocken.

Österreich gehört nicht zur Gruppe der sechs europäischen Staaten, in denen der Mach-E noch heuer erhältlich sein wird. Dafür gibt es bereits einen Richtpreis, der mit einem Betrag ab zirka 47.000 Euro erstaunlich günstig ausfällt.


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