Leerstand in Innsbruck vor allem bei älterer Bausubstanz

Saubere Datensätze, eine „spürbare“ Abgabe und positive Anreize für Vermieter: So will die Stadt Innsbruck den Leerstand in Angriff nehmen.

Julius Weiskopf (r.), Projektverantwortlicher von BM Georg Willi, versucht mit einem sechsköpfigen Team Licht ins Dunkel des Leerstandes zu bringen. Dafür bedarf es auch gesetzlicher Änderungen auf Landesebene.
© Domanig

Innsbruck – Eine Leerstands-erhebung, um in der Folge ungenützten Wohnraum gezielt mobilisieren zu können: Dieses Ansinnen steht klar im Arbeitsübereinkommen der Innsbrucker Stadtregierung. In der Praxis erweist sich das jedoch, wie mehrfach berichtet, als sehr kompliziert. Eine Vollerhebung stößt auf (datenschutz-)rechtliche Hürden, außerdem fehlt es aktuell an sauberen Datensätzen: Noch immer können rund 47.000 Personen in Innsbruck keiner Wohnung zugeordnet werden – auch wenn die Zahl der Klärungsfälle sinkt, seit ein eigenes städtisches Referat genau daran arbeitet.

Fest steht zumindest, dass es einen „harten Kern“ von aktuell 2031 Wohnungen gibt, die seit mindestens zwei Jahren leer stehen (ca. 2,5 % des Wohnungsbestandes): Denn dort liegt der Stromverbrauch laut Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) bei unter 100 kwH jährlich, erklärten BM Georg Willi und sein Projektverantwortlicher Julius Weiskopf gestern. Solche Wohnungen – die IKB dürfen die Daten nur straßenzugsweise bekannt geben – finden sich gehäuft in St. Nikolaus, dem Blocksaggen, (Süd-)Wilten und (West-)Pradl. Der kurzfristige Leerstand lässt sich mit den heutigen Daten nur schwer beziffern und verorten – Weiskopf geht von grob geschätzt rund 2000 weiteren Wohnungen aus.

Legt man über die IKB-Daten weitere Datensätze (Gebäudealter, Alter der Eigentümer), zeigt sich laut Stadt Folgendes: Längerfristigen Leerstand gibt es vermehrt dort, wo eine alte Gebäudestruktur besteht (oft wohl mit hohem Sanierungsbedarf) und wo die Eigentümer älter sind – und womöglich nicht die Energie oder das Geld hätten, zu vermieten bzw. zu sanieren, wie Willi vermutet.

Der Schluss: Neben spekulativem Leerstand gibt es auch gebäudespezifischen Leerstand. Dessen Anteil schätzt Weiskopf grob auf ca. 60 %.

Und was nun? Laut Willi braucht es einerseits Veränderungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen, um eine Vollerhebung des Leerstandes durchführen zu können: erstens eine „Topnummernverordnung“ seitens des Landes, die sicherstellt, dass die Tops in den Häusern nach einheitlichem Muster vergeben werden – und es der Stadt damit erleichtert wird, das Wohnungs- und Gebäuderegister zu „bereinigen“. Zweitens müsse das Tiroler Statistikgesetz geändert werden, um die gewonnenen Daten auch verwenden zu dürfen.

Zum anderen benötige man Möglichkeiten, den Leerstand zu bekämpfen, so Willi: Gegen spekulativen Leerstand brauche es eine Leerstandsabgabe, die in Abstimmung mit dem Land zu diskutieren sei. Ab wann die Abgabe greifen soll – die Stadt ist für eine „niedrige Frist“ –, ist ebenso zu klären wie die Höhe: Laut Willi muss sie „so spürbar sein, dass es einen Anreiz gibt, die Wohnung nicht leer stehen zu lassen“.

Was den gebäudespezifischen Leerstand angeht, setzt die Stadt u. a auf die neue Wohnservicestelle, die im März eröffnet: Dort will man niederschwellig Beratungen anbieten, damit Leerstand aktiviert wird – Stichwort Unterstützung bei Vermietung oder Sanierung. Die Stadt wolle auch selbst verstärkt als (Weiter-)Vermieter von Wohnraum auftreten, so Willi weiter: „Die Besitzer vermieten die Wohnung günstig an die Stadt, diese gibt sie an Wohnungssuchende weiter.“ Also eine Art „gemeinnütziges Makeln“, das den Eigentümern die Vermietung erleichtern soll.

Kurzfristiger Leerstand wiederum solle u. a. über Zwischennutzungen mobilisiert werden, wie das die Innsbrucker Immobiliengesellschaft bereits mache – z. B. indem sie Wohnungen temporär Sozialinitiativen wie dem Dowas zur Verfügung stellt.

Die SPÖ begrüßt, dass Willi „jahrelange SPÖ-Forderungen“ aufnehme – und kündigt an, die Aktuelle Stunde im Gemeinderat am 27. 2. dem Leerstand zu widmen. (md)


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