„Keine Frauenausstellung“: Feministische Kunst im Verbund

Seit 16 Jahren trägt Gabriele Schor für die Sammlung Verbund Werke der internationalen feministischen Avantgarde zusammen. Mittlerweile sind Arbeiten von 78 Künstlerinnen vertreten. Mit „Made in Austria“ zeigt man in der Vertikalen Galerie Am Hof nun explizit den heimischen Teil der Sammlung. Mit dabei sind neben Größen wie VALIE EXPORT oder Renate Bertlmann auch weniger bekannte Namen.

Schor habe als Gründungsdirektorin „einen eigenständigen Weg abseits des Mainstreams“ eingeschlagen und der Sammlung so „ein besonderes Profil gegeben“, lobte Michael Strugl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Stromunternehmens, am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Die stetig wachsende Sammlung ist mit Präsentationen seit zehn Jahren in Europa unterwegs, im Sommer wagt man den Sprung nach Übersee: In New York City ist „The Feminist Avant-Garde of the 1970s“ ab 5. Juni im International Center of Photography zu sehen.

Zunächst gilt es jedoch, einen Blick auf die heimischen Vertreterinnen der feministischen Avantgarde zu werfen. Dabei handelt es sich laut Schor jedoch nicht um eine „Frauenausstellung“, vielmehr gehe es ihr beim Sammeln um die Thematisierung des Feminismus in den Kunstwerken selbst. Neben der „Galionsfigur“ VALIE EXPORT, deren Arbeiten die Schau am Beginn im 7. Stock und am Ende im Erdgeschoß einrahmen, sind auch zahlreiche Werke weniger bekannter Künstlerinnen zu entdecken.

„Feministische Kunst der 1970er und 80er war aktionistisch, radikal und provokativ“, so Schor. „Was die österreichischen Vertreterinnen von ihren internationalen Kolleginnen unterscheidet, ist, dass ihre Arbeiten auch ironisch und poetisch sind.“ Für die Sammlung Verbund habe sie auch Werke ausgesucht, „die sich jahrzehntelang in Schachteln und auf dem Dachboden befunden haben“, spielt sie auf die mangelnde Sichtbarkeit der Künstlerinnen an.

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Insgesamt sind 16 Künstlerinnen vertreten, die sich in ihrer Kunst Themen wie der „unbezahlten Reproduktionsarbeit“, der Kritik am Schönheitsideal oder der weiblichen Sexualität widmen. So ist etwa Karin Macks „Bügeltraum“-Fotoserie aus 1975 zu sehen, in der sie sich - ganz in Schwarz - aufs Bügelbrett legte und so den Tod der Hausfrau ausrief. Für „Der Ehering und seine Folgen“ (1970) inszenierte Florentina Pakosta die Ehe als Falle, in der der Frau der Kopf nicht nur verdreht, sondern gleich abgetrennt wird. Schmuck, der sein Gegenüber auf Distanz hält, kreierte Brigitte Lang 1975 mit Werken aus der Serie „Abwehrreaktion“, von Veronika Dreier stammen dazu passend ein roter „Schuh mit Nägeln“ oder ihre Fotoserie „Vernähung“ aus dem Jahr 1978. Birgit Jürgenssen ist mit Zeichnungen wie „Bodenschrubben“, Fotos wie „Ich möchte hier raus!“ oder „Nest“ vertreten, das ein Vogelnest anstelle der Vulva zeigt.

Die Ausstellung überrascht durch die Vielfalt der verwendeten Medien: Neben Fotografie, Zeichnung und Skulptur finden sich auch Tuschzeichnungen von Lotte Profohs mit Titeln wie „Frauenliebe“, „Abbruch“ und „Zugeherin“ oder Holzschnitte von Auguste Kronheim, die ihre Zyklen „Morgen bist du Hausfrau“ oder „Frau + Mutter“ taufte. Staatspreisträgerin Renate Bertlmann ist mit unterschiedlichsten Arbeiten vertreten, darunter Fotos ihrer „Messer-Schnuller-Hände“, ein Video ihrer Performance „Schwangere Braut im Rollstuhl“ oder die Serie „Waschtag“, in der sie Latexhaut auf der Wäscheleine zeigt.

Zur Frage, wie es den Avantgardistinnen von einst heute beruflich geht und ob sich gesellschaftlich viel geändert habe, kamen von den anwesenden Künstlerinnen eher resignierte Reaktionen. Renate Bertlmann betonte, dass sie „erst im Alter von 65 Jahren meine erste monografische Ausstellung hatte“ - es folgten der Große Österreichische Staatspreis und die Gestaltung des Österreich-Pavillons auf der Biennale in Venedig. Damit ist sie jedoch eine Ausnahme. Die Preise für weibliche Kunst seien nach wie vor vergleichsweise niedrig, erklärte Gabriele Schor. Im Sinne der Künstlerinnen hoffe sie jedoch darauf, mit der Sammlung Verbund und der nunmehrigen Ausstellung zu mehr Sichtbarkeit beizutragen.


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