Wolfgang Thiem: „Beende jede Kooperation mit dem ÖTV“

Es gibt Ärger nach dem Umbau im Tennis-Verband: Wolfgang Thiem, Vater von Dominic, wird nicht ÖTV-Sportdirektor. Eigeninteressen stünden über dem Sport.

Wolfgang Thiem (l), hier mit Nicolas Massu, und das Thema ÖTV-Spordirektor ist vorerst Geschichte: „Die Landesverbände wollen keine unangenehmen Leute.“.
© gepa

Von Roman Stelzl

Innsbruck – Erst vor gut einer Woche sah all das, was am Wochenende zerbrach, so hoffnungsvoll aus: Wolfgang Thiem sprach bei der Generalversammlung des steirischen Tennis-Verbandes über eine goldene Zukunft. Gemeinsam mit Landes-Präsidentin Barbara Muhr an der Spitze sollte der Trainer und Vater von Tennis-Star Dominic Thiem dem nationalen Verband (ÖTV) als Sportdirektor vorstehen. Doch dann kam alles anders:

Bei einem Treffen der neun Oberhäupter der Bundesländer-Sektionen wurden alle drei eingebrachten Präsidenten-Vorschläge abgelehnt, auch der mit Barbara Muhr und Wolfang Thiem. Stattdessen wird die eigentlich rücktrittsbereite Interims-Präsidentin Christina Toth dem ÖTV weiter vorstehen – sofern sie will. Das Prekäre daran: Nach der ÖTV-Generalversammlung sollen alle Landesverbands-Chefs als Vizepräsidenten ins ÖTV-Präsidium. Heißt also: mehr Macht für die Bundesländer. Zur Erinnerung: Werner Klausner trat im März 2019 als Präsident zurück, weil er eben das gewittert hatte.

Verärgert und besonnen zugleich reagierte darauf Wolfgang Thiem, der neben seinem Sohn (als Zweit-Coach) mit Dennis Novak, Sebastian Ofner und Juri Rodionov (jeweils als Haupttrainer) die vier besten Österreicher der Weltrangliste betreut. „Ich beende jede Kooperation mit dem Verband“, sagte der Niederösterreicher zum anstehenden Umbau im ÖTV und erläuterte: „Ich werde mich sicher nicht mit den Landespräsidenten ins Bett legen. Die handeln nicht im Sinne des Sports, sondern vertreten nur ihre Eigeninteressen.“

Viele hätten darin eine große Chance für Österreichs Tennis gesehen. Auch die Zusammenarbeit des ÖTV mit Dominic Thiem (Stichwort Davis Cup) droht das erheblich zu beeinträchtigen.

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Gemeinsam mit Muhr hätte sich Wolfgang Thiem den Job als ÖTV-Sportdirektor sehr gut vorstellen können, anders nicht. Dass nun dagegen entschieden wurde, verwundert ihn nicht wirklich. „Die Landesverbände wollen keine unangenehmen Leute wie mich oder Barbara Muhr. Um nachhaltig Erfolg zu haben, muss man die Länder an gewissen Punkten ausschalten. Sie sollen die Spieler bis 14 Jahre gut ausbilden, danach die Verantwortung abgeben.“ Was die Sache mit dem ÖTV erschwert: Sein Bruch mit dem Ex-Coach seines Sohnes, Günter Bresnik, dessen Akadamie für den ÖTV die Talente ausbildet.

Mehr Macht für die Landesverbände sieht indes ÖTV-Vizepräsident und Tirols Oberhaupt Walter Seidenbusch positiv – zumal kein Wahlvorschlag für ein neues ÖTV-Präsidium angenommen wurde. „Der ÖTV würde gerne mit Wolfgang Thiem zusammenarbeiten. Er wollte jedoch nur dabei sein, wenn Barbara Muhr Präsidentin wird. Der ÖTV lässt sich aber nicht erpressen“, erklärte der Tiroler. Wie es genau weitergeht, wird sich am 22. März weisen. Bis dahin sollen die Statuten so adaptiert werden, dass alle neun Landesverbandspräsidenten Mitglieder des ÖTV-Präsidiums werden.


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