Röttgen mahnt zu offenem Verfahren für CDU-Parteivorsitz

Norbert Röttgen, der neueste Kandidat für den CDU-Vorsitz, hat zu einem transparenten und offenen Verfahren bei der Suche nach dem neuen Parteichef der deutschen Regierungspartei gemahnt. Im ostdeutschen Bundesland Thüringen steht unterdessen die ehemalige christdemokratische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht nicht mehr für eine Übergangsregierung zur Verfügung.

Röttgen glaube auch, dass sich dieser Ansatz in der Partei so durchsetzen und es keine Lösung „hinter verschlossenen Türen“ geben werde, sagte der Ex-Umweltminister am Mittwoch nach einem Gespräch mit der noch amtierenden Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer in der CDU-Parteizentrale in Berlin. „Ich bin für offenen Wettbewerb und Transparenz.“ Dieser Wunsch sei in der CDU „immer stärker und hörbarer“, sagte Röttgen im TV-Sender „Welt“. Eine Entscheidung müsse noch vor der Sommerpause getroffen werden. Im übrigen sei er der Einzige bisher, „der sich erklärt hat und nicht taktisch auslotet“.

Der Außenpolitiker hatte am Dienstag überraschend seine Kandidatur für den Parteivorsitz angemeldet. Als weitere Interessenten gelten der ehemalige Unions-Fraktionschef Friedrich Merz, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn, die sich bisher dazu öffentlich aber noch nicht geäußert haben. „Ich bin kein Kandidat unter Konditionen und Bedingungen, sondern ich stehe für meine Überzeugungen ein“, sagte Röttgen. Mit Kramp-Karrenbauer habe er ein „gutes, freundliches Gespräch“ geführt. Er habe darin die Meinung vertreten, „die ich auch öffentlich vertrete“. Mehr wolle er dazu nicht sagen. Merz hatte am Dienstag mit der Parteichefin gesprochen. Laschet und Spahn sollten noch im Lauf des Mittwochs folgen.

Die CDU müsse jetzt offen über ihre Probleme diskutieren, mahnte Röttgen. Wie es konkret mit der Kandidatensuche weitergehe, müsse in der kommenden Woche diskutiert und auch entschieden werden. Die Partei müsse aber auf alle Fälle vor der Sommerpause einen neuen Vorsitzenden haben. Der habe dann auch den ersten Zugriff auf die Kanzlerkandidatur. Ein Kandidat der Union für die Nachfolge von Amtsinhaberin Angela Merkel müsse dann aber mit der CSU aufgestellt werden, sagte Röttgen.

In Thüringen steht unterdessen die ehemalige christdemokratische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht nicht mehr für eine Übergangsregierung zur Verfügung. Grund seien die sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Linke, Sozialdemokraten und Grünen sowie der Christdemokraten über den Zeitpunkt von Neuwahlen, sagte Lieberknecht am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Lieberknecht war für die Leitung einer Übergangsregierung im Gespräch, bis es eine neue Lösung gibt.

Für die Krise in Thüringen mit deutschlandweiten Auswirkungen sorgte vor zwei Wochen die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich mit Stimmen der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland, der CDU sowie der FDP zum Ministerpräsidenten des Freistaats. Nach großer Empörung weit über Thüringen hinaus trat Kemmerich zurück. Er ist nur noch geschäftsführend im Amt.


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