Beitragsfreie Schule betrifft rund 17.000 Wiener Kinder

Eltern, deren Kinder eine städtische Ganztagsschule in Wien besuchen, hat Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) versprochen, dass sie künftig keine Beiträge für den Betreuungsteil mehr zahlen müssen. Insgesamt kommen rund 17.000 Kinder in den Genuss der Förderung. Betroffen ist aber nur die sogenannte verschränkte Schulform. Andere Arten der Nachmittagsbetreuung sind auch künftig nicht gratis.

Ludwig versprach, die Maßnahme an 63 Standorten umzusetzen. Es handelt sich dabei vor allem um - aber nicht nur - Ganztagesvolksschulen (GTVS), wie im Büro von Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) betont wurde. Konkret handelt es sich um 57 GTVS-Standorte. Zudem werden auch sechs ganztägig geführte Mittelschulen mit einbezogen. Die Betreuung an Gymnasien war kein Thema - sie fallen in die Zuständigkeit des Bundes.

Eltern zahlen in den betreffenden Schulen jedenfalls im Durchschnitt 180 Euro monatlich (zehn Euro pro Tag) für die Betreuung außerhalb der Unterrichtszeit. Hier ist allerdings auch der Essensbeitrag enthalten - der, anders als beim Gratiskindergarten, dort künftig ebenfalls entfällt. Begründet wird dies damit, dass der ganztägige Besuch dieser Schulen, in denen sich Unterricht und betreute unterrichtsfreie Zeit abwechseln, verpflichtend ist.

Damit unterscheidet sich diese Form von den sogenannten Offenen Volksschulen. Unterrichts- und Betreuungsteil sind hier getrennt, finden aber am selben Standort statt. Die Nachmittagsbetreuung kann, muss aber nicht besucht werden. Die Form ist somit mit dem klassischen Hortmodell vergleichbar. Sowohl Offene Volksschulen als auch Horte werden nicht beitragsfrei gemacht.

Die Kosten wurden von Bürgermeister Ludwig mit jährlich 25 Mio. Euro beziffert. Neue Standorte sollen dann jeweils mit 700.000 Euro zusätzlich zu Buche schlagen. Bis zu zehn neue Ganztagsschulen sollen jedes Jahr dazukommen. Es handelt sich dabei sowohl um Umstellungen der Schulform als auch um Erweiterungen von Standorten bzw. Neubauten, wie im Büro des Bildungsstadtrats ausgeführt wurde.

Der Katholische Familienverband zeigte sich am Mittwoch nicht gänzlich zufrieden. Stattdessen sprach man - wie gestern bereits die Opposition - von einem „Wahlzuckerl“. Barbara Fruhwürth, die Vorsitzendes des Verbandes, betonte, dass man eine finanzielle Entlastung von Familien und für Kinder generell begrüße. Allerdings werde die verschränkte Ganztagsschule bevorzugt: „Wir fordern eine finanzielle Gleichstellung aller Arten der Nachmittagsbetreuung, um Familien Wahlfreiheit zu ermöglichen und auf ihre unterschiedlichen Lebenssituationen einzugehen.“

Über die Umsetzung einer langjährigen Forderung freuten sich hingegen die Wiener Grünen. Klubchef David Ellensohn hielt via Twitter fest: „Schule muss gratis sein, ob halbtags oder ganztags!“


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