Terrorverdacht nach tödlichen Schüssen in Hanau

Die deutsche Generalbundesanwaltschaft ermittelt nach der Gewalttat in Hanau mit mehreren Toten laut hessischem Innenminister wegen Terrorverdachts. „Nach unseren jetzigen Erkenntnissen ist ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben“, sagt Peter Beuth am Donnerstag. Bei Schießereien wurden neun Menschen getötet, mehrere Personen verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde laut Polizei tot gefunden.

Auf Terror deute etwa eine Homepage hin, aus der sich ein mutmaßlicher rechter Hintergrund ergebe, so Breuth. Der Täter soll legal im Besitz einer Waffe und Sportschütze gewesen sein. Der mutmaßliche Täter von Hanau war zuvor nicht im Visier der Ermittler. Der Mann sei weder als fremdenfeindlich bekannt gewesen noch polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Beuth im Wiesbadener Landtag. Er verurteilte die Gewalttaten. „Das ist ein Anschlag auf unsere freie und friedliche Gesellschaft.“

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurden bei den Ermittlungen neben einem Bekennerschreiben auch ein Video gefunden. Beides werde nun ausgewertet, hieß es. Die Tageszeitung „Bild“ berichtete, der Täter habe in seinem Schreiben rechtsradikale Beweggründe genannt.

Wenige Tage vor dem Verbrechen hatte der mutmaßliche Täter nach Informationen aus Sicherheitskreisen ein Video bei Youtube veröffentlicht. In diesem Video spricht der Mann in fließendem Englisch von einer „persönlichen Botschaft an alle Amerikaner“. Der Clip, der Donnerstagfrüh weiter im Internet zu sehen war, wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen, ins Netz gestellt wurde er vor wenigen Tagen.

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Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände „jetzt kämpfen“. Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten.

Der mutmaßliche Täter wurde laut Polizei in einer Wohnung gefunden. Zudem sei dort eine weitere Leiche entdeckt worden. Die Ermittlungen zur Identität der Opfer und des mutmaßlichen Täters dauerten an, hieß es.

Medienberichte, wonach die Schüsse in zwei Shisha-Bars abgefeuert worden sein sollen, bestätigte die Polizei weiterhin nicht. Die Schüsse fielen nach ihren Angaben am Heumarkt im Zentrum der Kleinstadt bei Frankfurt am Main sowie in dem Stadtteil Kesselstadt. Der Hessische Rundfunk berichtete, zunächst sei eine Shisha-Bar in der Innenstadt angegriffen worden. Danach seien der oder die Täter nach Kesselstadt weitergefahren, wo weitere Menschen in einer Shisha-Bar erschossen worden seien.

Die deutsche Regierung reagierte bestürzt auf das Verbrechen. Außenminister Heiko Maas drückt den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. „Die schrecklichen Ereignisse in #Hanau schmerzen uns alle“, twittert der SPD-Politiker. „Nach dieser grausamen Nacht sind unsere Gedanken bei den Toten, ihren Familien und Angehörigen. Wir hoffen mit den Verletzten, dass sie bald wieder gesund werden.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte wegen der Bluttat einen geplanten Besuch in Halle in Sachsen-Anhalt ab. „Die Bundeskanzlerin lässt sich fortlaufend über den Stand der Ermittlungen in Hanau unterrichten“, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert im Internetdienst Twitter mit.


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