Kunst knüpft Netzwerke

In der Schau „Sum ergo sum“ nähern sich 12 Kunstschaffende dem heutigen Feminismus.

Work in progress: Katharina Cibulkas „Solange“ läuft weiter. Derzeit sucht die Künstlerin nach neuen Orten für ihre Intervention.

Bruneck – So ganz kann man ihn nicht eingrenzen. Was ist Feminismus heute? Irgendwie geht es um das Mensch-Finden in Frau und Mann, irgendwie geht es gegen das Unterworfen-Sein. Mit dem Begriff „New Feminism“ wagt sich das Stadtmuseu­m Brunec­k aktuell weit hinaus – ganz greifbar wird der hochaktuell­e Diskurs in der Schau „Sum ergo sum – New Feminism“ allerdings nicht. Das ahnt der Besucher der aktuellen Ausstellung sofort. Neun Künstlerinnen und drei Künstlern nähern sich dem „Ich bin, also bin ich“.

Möglichst divers wollte man sich präsentieren, bloß keinen reinen Frauenblick auf den Feminismus propagieren, erklärt Markus Pescoller, Vorstandsmitglied des Museums und Teil des Kuratorenteams. Das ist ein Ansatz, der löblich ist – leider wurde das Thema schlussendlich aber derart weit aufgebrochen, dass ein stringenter roter Faden nicht erkennbar ist.

Einige Positionen stechen heraus: Die jungen Künstlerinnen Nora Pider und Ali Paloma zelebrieren Weiblichkeit mit fliegender Klitoris und Menstruationsblut schön unaufgeregt, Nilbar Güres verhandelt gesellschaftliche Sichtbarkeit von Frauen in der Türkei, und die Fabelfiguren in Bianc­a Tschaikners Zeichnungsserie „Gaia“ stürzen die Phallokratie mit einer Speerspitze.

Auch Katharina Cibulkas „Solange“, das in Bruneck sowohl mit der bereits in der Innsbrucker Bienerstraße gezeigten Staubschutzplane auf der Fassade des Museums als auch mit einer Dokumentation des bisherigen Projektverlaufs vertreten ist, fügt sich in die Debatte ein. Barbara Tavellas allzu poetisch­e Streifzüge aber, genauso wie Karin Ferraris fake-investigatives Video „Decoding Katy Perry’s Dark Horse“ oder Michael Klammsteiners in Skulptur übersetzte Naturverbundenheit, gehen (zu) weit darüber hinaus.

Zu sehen sind die Werke der zwölf Kunstschaffenden erstmals nicht nur in den Räumen des Stadtmuseums, sondern auch in der nahegelegenen, abbruchreifen Ex Simma Garage. Hier riecht es nach Off-Space und Aufbruch. So darf man die Ausstellung „Sum erg­o sum – New Feminism“ auch verstehen: als Ausbrechen aus dem Museumsmuff. Am schönsten sichtbar wird dieser Anspruch dort, wo die dekorativen Stickarbeiten von Greta Kofler & Marie Kallage die gotische Dauer­ausstellung des Museums unterwandern. Leider der einzig wirkliche „Eingriff“!

Die Organisatoren der Reihe „Wege ins Museum“, aus der die Schau hervorgeht, dürfen sich über viel Zuspruch aus der heimischen Kreativszene freuen. Zeitgenössisches fehlt in Bruneck. Die Kunst knüpft erst­e Netzwerke: Nach dem Abbruch der Garag­e soll hier ein Kunstraum für Gegenwartskunst entstehen, verrät Pescoller. Gespräche mit der Politik stehen an. Der Anfang ist mit dieser Schau aber gemacht. Und wenn das Projekt einmal in trockenen Tüchern ist, gibt das hoffentlich Ansporn, am Profil geplanter Ausstellungen weiter zu feilen. (bunt)


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