Deutscher erschießt in Hanau zehn Menschen und sich selbst

Bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag hat ein 43-jähriger Deutscher im hessischen Hanau zehn Menschen und sich selbst erschossen. Der Generalbundesanwalt zog den Fall noch in der Nacht auf Donnerstag an sich und ermittelt nun wegen Terrorverdachts. Der Mann hinterließ eine Videobotschaft und ein Bekennerschreiben.

Der mutmaßliche Todesschütze Tobias R. kommt Behördenangaben zufolge aus Hanau. Bei der Gewalttat am späten Mittwochabend an mindestens vier verschiedenen Tatorten in Hanau seien neun Menschen gestorben, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth im Landtag in Wiesbaden. Nach der Tat habe der Sportschütze in seiner eigenen Wohnung erst seine Mutter und dann sich selbst erschossen. Insgesamt kamen in Folge der Gewalttat elf Menschen ums Leben. Außerdem wurde ein Mensch schwer verletzt und mehrere andere verletzt. Der Generalbundesanwalt stufe das Verbrechen als „Verdacht einer terroristischen Gewalttat ein“, sagte Beuth.

Sowohl in Deutschland als auch international wurde mit Bestürzung auf die Gewalttat reagiert. So sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zu Mittag: „Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift. Und dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft und es ist Schuld an schon viel zu vielen Verbrechen.“ Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich zudem solidarisch mit den Opfern erklärt und will im Laufe des Nachmittags nach Hanau reisen. „Ich stehe an der Seite aller Menschen, die durch rassistischen Hass bedroht werden. Sie sind nicht allein.“

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen bezeichnete „die Nachrichten über die mutmaßlich rassistisch & rechtsextrem motivierten Morde“ in Hanau als schrecklich. „Eine solche verabscheuungswürdige Tat ist auf das Schärfste zu verurteilen. Unser Mitgefühl ist bei den Opfern, ihren Angehörigen, Freundinnen und Freunden“, schrieb er auf Twitter. Auch vom Französischen Staatschef Emmanuel Macron, von der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie vom Türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan kamen Beileidsbekundungen für die Opfer.

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Über den Tathergang ist bisher folgendes bekannt: Der 43-jährige Todesschütze habe am späten Mittwochabend in zwei Shisha-Bars und in einem Kiosk das Feuer eröffnet und dabei neun Menschen erschossen. Der Mann habe allein gehandelt, sagte Beuth. Als Sportschütze soll er legal Waffen besessen haben. Die Bundesanwaltschaft geht von rechtsextremistischen Motiven aus. Darauf lasse etwa eine Homepage schließen, aus der sich ein mutmaßlicher rechter Hintergrund des Mannes ergebe. Die Ermittlungen liefen. Alle neun Opfer seien Menschen mit Migrationshintergrund gewesen, wie die dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr.


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