Pfurtscheller: „Reutte soll Geld in Altenheim stecken, nicht in einen Park“

Die Außerferner VP-Nationalratsabgeordnete erzählt von ihrer Wunschkoalition in Wien und von Versäumnissen in der Heimat.

Elisabeth Pfurtscheller verweist auf die rasante Alterung der Bevölkerung im Außerfern innerhalb der nächsten zehn Jahre. Der Bezirkshauptort sei darauf nicht vorbereitet und setze die falschen Schwerpunkte.
© Helmut Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Reutte – Nachdem in Sachen Bundesregierung und Koalition nun alles „in trockenen Tüchern“ sei, informierte die Außerferner Nationalratsabgeordnete Elisabeth Pfurtscheller über persönliche Glückszustände und kommunalpolitische Ärgernisse. „Ich bin total happy. Die Koalition mit den Grünen taugt mir wirklich sehr, sehr, sehr.“ Für die Nationalrätin ist es nach Rot/Schwarz und Türkis/Blau bereits die dritte Regierung, unter der sie im Parlament sitzt. Am wenigsten „Commitment“ – also das Sich-Bekennen –, ein neues Lieblingswort der Abgeordneten, habe sie mit den Freiheitlichen gehabt.

Die Landesleiterin der „ÖVP Frauen Tirol“ wurde nun auch zur VP-Frauensprecherin im Parlament gekürt. Sie freut sich, damit ihr Thema vorantreiben zu können. Eine Querschnittsmaterie, bei der sie in allen Ressorts angesprochen sei. In vier Parlamentsausschüssen ist Pfurtscheller in dieser Legislaturperiode tätig: Verkehr, Tourismus, Gleichbehandlung und Konsumentenschutz. Bei Tourismus etwa herrsche großer Diskussionsbedarf über die sich wandelnde und kritischer werdende Einstellung der Bevölkerung dazu. Die Öffnung der Rot-Weiß-Rot-Card, also der leichtere Zugang für Fachkräfte nach Österreich, gelte selbstverständlich auch für Kellner, Elektriker oder Köche. „Darauf hat man sich committed.“

Das Thema Pflege beschäftigt die Diplomkauffrau in all seinen Facetten von Schule bis zur Infrastruktur. Die Wahrnehmung als akute Problemstellung fehle vielerorts noch immer. Pfurtscheller bringt zwei Beispiele: „Bis 2030, also in nur zehn Jahren, wird die Zahl der über 85-Jährigen im Bezirk Reutte um 63,9 Prozent oder 455 Personen gegenüber heute zunehmen.“ 75+ steige um 45 Prozent, in absoluten Zahlen bedeute dies ein Plus von 1239 Außerfernern und Außerfernerinnen. „Wenn ich mir angesichts dieses Hintergrunds anschaue, dass meine Heimatgemeinde Reutte sehenden Auges ihre Kapazitäten im Seniorenheim nicht erweitert, aber Pipifax-Geschichten wie den Park um eine Million Euro macht, dann ist das ärgerlich.“ So etwas mache man, wenn man sonst nicht mehr wisse, was man mit dem Geld tun solle. Der neue Park sei „nice to have“, also ganz nett zu haben, aber „absolut keine Notwendigkeit. Genug Kapazitäten in der Pflege hingegen schon.“ Die Reuttenerin erläutert, dass allein mit Entscheidungsfindung, Planung und Bau einer neuen Pflegeeinrichtung fünf Jahre wie im Nu vergehen würden. 2030 sei schneller da, als manche glauben würden.


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