Reflexionen über das Bildhafte in der Galerie Widauer

Ernst Trawögers subversive „Metakunst“ in der Innsbrucker Galerie Widauer.

Virtuelle Bildräume eröffnende Arbeit von Ernst Trawöger.
© schlocker

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Der Tiroler Konzeptkünstler Ernst Trawöger mag das unmittelbare Reagieren auf spezielle Orte, weshalb Kunst-am-Bau-Projekte so ganz das Seine sind. Was ihn andererseits zum Wenig-Aussteller macht, um mit seiner aktuellen Personale in der Galerie Widauer eine erfreuliche Ausnahme zu machen. Ist doch auch dessen Hülle alles andere als alltäglich, auf die zu reagieren der 66-Jährige Lust auf seine sehr spezielle Art und Weise hatte. Denn „ich mache keine normale Kunst, eher Metakunst“, sagt Trawöger. Bilder, die letztlich Reflexionen über das Bildhafte seien.

Zwei dieser subversiv mit virtuellen Bildräumen bzw. der Wahrnehmung der Betrachter spielenden Arbeiten hat Trawöger speziell für seine Ausstellung bei Widauer konzipiert. Um etwa in einer zweiteiligen Arbeit einen linear definierten Bildkörper mit einem gemalten zu kombinieren. Jonglierend mit haptischen und emotionalen Qualitäten, mit dem Prinzip von Offenem und Geschlossenem, minimalen Verschiebungen, letztlich der Fortsetzung von Gedankenräumen über Grenzen hinweg.

Was man Trawögers Kunst auf einen ersten Blick nicht ansieht, ist, dass sie im Wesentlichen von der Natur inspiriert ist. Etwa eine Arbeit, die aus vier weißen, vertikal linierten Rechtecken besteht. Inszeniert als subtiles Spiel mit Proportionen, mit dem in seinem Wesen Gleichen, das doch nie dasselbe ist.

Eines seiner Bilder hat Trawöger auf den Boden gelegt. Vor einen an die Wand gelehnten Spiegel. Durch dessen Schräge eine augentäuscherische Verdopplung entsteht, Linien zu kippen, Ebenen sich zu verschieben beginnen, der galeristische Umraum zum Teil des Bildes wird. Pseudoräumliche Phänomene vermag der Künstler aber auch ganz einfach durch gegeneinander nur minimal verschobene Linien entstehen zu lassen.

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Das vordergründig Farbige spielt in der Kunst Ernst Trawögers nur eine untergeordnete Rolle. Da kommen mit gelber Farbe oder ganz in Silber monochrom gemalte Quadrate fast schon als sinnliche Sensationen daher. Ist doch Weiß die übliche Farbe von Trawögers unaufgeregt aufregender Kunst, definiert durch exakt mit schwarzem Graphit gezogene Linien.


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