Zwei Tote durch neuartiges Coronavirus in Italien

Italien hat den zweiten Todesfall durch das neuartige Coronavirus gemeldet. Es handle es sich um eine Italienerin, die mit einem infizierten 38-jährigen Mann in der Lombardei in Kontakt gekommen sein könnte, teilten die Gesundheitsbehörden am Samstag mit. Zuvor wurde ein 78-jähriger Italiener als erster europäisches Todesopfer vermeldet.

Mehr Informationen zum zweiten Todesopfer gab es vorerst nicht. Der Mann war laut Gesundheitsminister Roberto Speranza wegen einer anderen Krankheit vor etwa zehn Tagen in einem Krankenhaus in der Region Venetien im Norden Italiens behandelt worden. „Wir möchten die Bevölkerung beruhigen. Wir haben alle Personen unter Quarantäne gestellt, die mit den infizierten Menschen in Kontakt gekommen sind“, erklärte Premier Giuseppe Conte. Er leitete am späten Freitag ein Gipfeltreffen mit Speranza und mit Zivilschutzchef Angelo Borrelli.

In der Lombardei und in Venetien wurden bisher 29 Infektionsfälle gemeldet. Zehn Gemeinden in der Provinz Lodi mit insgesamt 50.000 Bürgern, aus denen die Infizierten stammen, riefen ihre Bürger auf, zu Hause zu bleiben und auf „soziale Kontakte“ zu verzichten. Beschlossen wurde die Schließung der Schulen, der Gemeindebüros und aller öffentlichen Lokale wie Restaurants und Diskotheken. Auch Lebensmittelgeschäfte, Bars und Sportzentren sollen in den betroffenen Orten mindestens für eine Woche geschlossen bleiben, teilte Gesundheitsminister Speranza nach der Krisensitzung mit.

Die lombardische Stadt Cremona schloss ihre Schulen. Ähnliche Maßnahmen wurden auch in dem Dorf in der Provinz Padua ergriffen, aus dem das Todesopfer stammte. Die lombardische Bahngesellschaft Trenord beschloss, nicht mehr in der Kleinstadt Codogno zu halten. „In Codogno ist keine Seele mehr auf der Straße. Alle Geschäfte sind geschlossen. Es ist, als wären wir in Wuhan“, kommentierte ein Bewohner.

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Das Verteidigungsministerium stellte eine Reihe von Strukturen in der Lombardei und in der Emilia Romagna zur Verfügung, die Personen unter Quarantäne aufnehmen sollen. 130 Plätze wurden in einer Militäreinrichtung in Piacenza bereitgestellt, in Mailand gibt es circa 60 Plätze. „Italien ist gut vorbereitet, um mit dem Coronavirus-Notstand umzugehen. Wir haben bereits in den vergangenen Wochen einen Plan entworfen, den wir jetzt auf effiziente Weise umsetzen wollen“, sagte Gesundheitsminister Speranza.

In Italien war das Virus erstmals am 30. Jänner bei einem älteren Touristen-Paar aus China nachgewiesen worden. Das Urlauberpaar aus der chinesischen Krisenstadt Wuhan wurde auf eine Isolierstation im Institut für Infektionskrankheiten „Lazzaro Spallanzani“ in Rom gebracht. Die beiden befinden sich nach Angaben der Ärzte dort auf dem Weg der Besserung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich unterdessen besorgt über die Infektionsfälle, bei denen es keine klare epidemiologische Verbindung gibt. Viele Menschen hätten sich mit der Lungenkrankheit Covid-19 angesteckt, ohne dass sie nach China gereist seien oder Kontakt mit einer Person gehabt hätten, bei der das Coronavirus nachgewiesen worden sei, schrieb WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf Twitter. Mehr als 80 Prozent der Patienten hätten eine leichte Form der Krankheit und würden genesen. In 20 Prozent handle es sich um eine schwere Form, die teilweise zum Tode führe.

Südkorea meldete 87 neue Infektionsfälle. Damit steige die Zahl auf insgesamt 433 Fälle, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap und berief sich auf die Gesundheitsbehörden. Einen der bestätigten Infektionsfälle meldete der Elektronikkonzern Samsung in seinem Werk in Gumi in Südkorea. Die Niederlassung, in der Mobiltelefone hergestellt werden, sei geschlossen worden.

Der Iran meldete am Samstag zehn neue Infektionsfälle. Einer der Patienten sei gestorben, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums mit. Insgesamt sind im Iran damit 28 Fälle bekannt, fünf dieser mit dem Coronavirus infizierten Menschen starben.

Die Inkubationszeit könnte nach chinesischen Angaben länger sein als die bisher angenommenen zwei Wochen. Ein 70-jähriger Mann in der Provinz Hubei habe sich mit dem Coronavirus infiziert, aber 27 Tage lang keine Symptome gezeigt, teilte die Provinzregierung mit. Eine längere Dauer von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen der Krankheit könnte die Bemühungen erschweren, die Epidemie einzudämmen.

In China gab es indes nach Behördenangaben weniger Infektionen als in den Tagen zuvor. Auch die Zahl der gemeldeten Todesfälle sei rückläufig, teilte die nationale Gesundheitskommission mit. In China wurden am Freitag 397 neue Infektionsfälle bestätigt. Am Donnerstag waren es der Gesundheitsbehörde zufolge noch 889 gewesen. Insgesamt stieg die Zahl der Infizierten damit auf knapp 76.300.

Bis einschließlich Freitag starben 2.345 Menschen an dem Virus, das eine schwere Lungenkrankheit auslösen kann. Allein in der Provinz Hubei, dem Epizentrum der Epidemie, wurden 106 neue Todesfälle gezählt.


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