LKH Hall kontert Patienten-Kritik: „Werfen nun viel weniger Essen weg“

Das LKH Hall weist Vorwürfe eines Patienten zurück, wonach man beim Speiseplan zu wenig Rücksicht auf Lebensmittelunverträglichkeiten nehme. Und das einzeln verpackte Essen bringe auch ökologische Vorteile.

Blick auf das Haus 10 des LKH Hall. (Archivbild)
© TT/Domanig

Von Michael Domanig

Hall – Fast jedes Jahr muss ein Patient aus dem Tiroler Unterland wegen chronischer Erkrankungen am Landeskrankenhaus (LKH) Hall behandelt werden. Den Ärzten und dem Pflegepersonal spricht er ein „Riesenlob“ und „vollste Hochachtung“ aus. Massive Kritik übt der Unterländer aber am Essen.

Zum einen bemängelt er, dass es für Patienten wie ihn, die an einer Reihe von Lebensmittelunverträglichkeiten leiden (u. a. Gluten, Laktose, Histamin), beim Essen „fast keine Alternativen“ gebe. „Ich wusste gar nicht mehr, was ich essen soll.“ Zum anderen kritisiert er, dass die – aufgewärmten – Einzelportionen in Plastik abgepackt werden, was auch große Mengen an Müll verursache.

„Am falschen Platz gespart“

Das Fazit des Patienten (der betont, er spreche hier auch für mehrere andere Patienten und Teile des Krankenhauspersonals): Es bräuchte „eine frische Zubereitung vor Ort, in einer selbstständigen Diätküche, unter Beiziehung von Diätologen“. Früher habe das LKH Hall eine eigene Küche gehabt – und in der Psychiatrie gebe es eine solche auch jetzt noch. Hier werde „am falschen Platz gespart“.

Wolfgang Markl, Kaufmännischer Direktor des LKH Hall, kontert die Kritik in einer ausführlichen Stellungnahme an die TT – und erklärt die komplexen Details der Essensversorgung: Bis ins Frühjahr 2018 wurde das LKH Hall von der Klinik Innsbruck mit frisch gekochtem Essen beliefert, das in Hall dann erwärmt wurde. Da die Essenswagen und die Induktion jedoch „sehr veraltet waren“ und die Speisen „nicht mehr ordnungsgemäß transportiert und erwärmt werden konnten“, sei dieses System eingestellt worden. „Daher waren wir kurzfristig gezwungen, eine Zwischenlösung anzubieten.“

Derzeit beziehe man frisch gekochtes, anschließend gekühltes – aber nicht tiefgekühltes – und bereits einzeln portioniertes Essen von einer Firma aus Innsbruck-Land, erklärt Markl. Dieses werde per Mikrowelle erwärmt. Viele Betriebe seien ebenfalls auf dieses System umgestiegen, da es eine hohe Qualität biete und das Essen im Kühlschrank rund sieben Tage haltbar bleibe.

Eigene Rezepte entwickelt

Markl betont, dass sehr wohl „alle Patienten ein diätologisch abgestimmtes Speisenangebot“ erhalten. Die Cateringfirma habe gemeinsam mit dem LKH „natürlich eigene Rezepte entwickelt“, Ärzte, Köche und Diätologen hätten über Monate am Speiseplan mitgearbeitet. Dabei habe man auf Unverträglichkeiten (speziell Zöliakie, Fruktose, Laktose) geachtet. So werde etwa das Kartoffelpüree mit laktosefreier Milch zubereitet. Bei Fragen zu den Speisen könnten sich Patienten an die Pflege der Station wenden, die dann sofort eine der hauseigenen Diätologinnen zum Patienten hole.

Sollte das Menü „für ganz spezielle Diäten dennoch nicht ausreichen“, habe man jederzeit die Möglichkeit, in der Frischküche im nördlichen Teil des LKH (Psychiatrie) ein spezielles Gericht zubereiten zu lassen. Diese eigene Küche gebe es weiterhin, weil die Patienten in der Psychiatrie in einem gemeinsamen Aufenthaltsbereich essen und das frisch gekochte Essen gleich warm auf der Station ausgegeben wird. Im somatischen Bereich des LKH – also dort, wo Menschen mit körperlichen Erkrankungen behandelt werden – „essen die Patienten allerdings meist im Bett und benötigen daher ein Essen, das bereits auf einem Tablett serviert wird“. Für diesen Bereich gebe es schon seit ca. 20 Jahren keine hauseigene Küche mehr.

Neuorganisation der Speisenversorgung ist Thema

Dass durch die Einzelverpackungen viel Plastikmüll entsteht, bestreitet Markl nicht. Man müsse hier aber „zwei ökologische Aspekte gegenrechnen“: So erspare man sich den Transport der Speisewagen aus Innsbruck per Groß-Lkw (früher zweimal täglich) – aktuell werde das Essen nur mehr zweimal wöchentlich mit einem Lieferauto gebracht.

Und: Man müsse beim jetzigen System pro Tag ca. 100 Essen weniger wegwerfen. Früher habe man die Essensbestellung bereits in der Früh von der Station nach Innsbruck schicken müssen, ohne zu wissen, wer am Vormittag noch aufgenommen bzw. entlassen wird. „Daher musste früher jede Station eine gewisse Reservemenge zusätzlich bestellen“, während man jetzt immer genügend Essen vorrätig habe, gelagert in Kühlschränken.

Generell würden die Tirol Kliniken derzeit aber eine „Neuorganisation der Speisenversorgung für alle Standorte“ vorbereiten, ergänzt Markl. Näheres könne dazu noch nicht berichtet werden, die „sehr umfangreichen“ Vorbereitungen seien aber „in der finalen Phase“.


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