Missbrauchsvorwürfe gegen Gründer der "Arche": „Wir fühlen uns alle betrogen“

Die Arche Tirol kündigt nach Missbrauchsvorwürfen gegen den Gründer der Arche-Gemeinschaft eine Aufarbeitung an.

Steinach i. T., Innsbruck, Wien, Paris – Jean Vanier, dem im Vorjahr verstorbenen Gründer der Arche-Gemeinschaft, wird Missbrauch vorgeworfen. Das geht aus Erkenntnissen einer von der Arche – ein Netzwerk, in dessen Einrichtungen Menschen mit geistiger Behinderung und sie begleitende nichtbehinderte Menschen gemeinsam leben – selbst in Auftrag gegebenen Untersuchung hervor. In Steinach in Tirol und in St. Jodok hat die Arche ihre einzigen Niederlassungen in Österreich. Die Verantwortlichen dort zeigten sich über die Vorwürfe schockiert.

„Wir fühlen uns alle betrogen, befinden uns sozusagen in einer Schockstarre“, sagt Gottfried Lamprecht, Geschäftsführer der Arche Tirol, im Gespräch mit der TT. Zwar hätten die Enthüllungen keine unmittelbare Auswirkung auf die Arbeit an den Tiroler Standorten, es müsse aber offen mit der dunklen Vergangenheit des Gründers umgegangen werden. „Jetzt werden wir unsere Mitarbeiter informieren, uns hinsetzen und darüber reden“, berichtet Lamprecht. „Es braucht Zeit, um das aufarbeiten zu können.“

Claus Michel, Leiter der Arche Deutschland und Österreich, zeigte sich „erschüttert und tief betroffen“, vermeldete Kathpress bereits am Samstag. Die Erkenntnisse „zwingen uns, unsere Sichtweise auf Jean Vanier und die Gründungsgeschichte der Arche zu überdenken“, erklärte Michel in einer Stellungnahme. Die Arche verurteile die „Taten, mit denen Jean Vanier offenbar viele Frauen tief verletzt hat.“ Bei den sechs Betroffenen habe es sich nicht um Frauen mit Behinderung gehandelt.

Auch der Dominikanerpater Thomas Philippe (1905–1993), der geistliche Mentor Vaniers, hatte mehrere Frauen missbraucht. (bfk)


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