Der Fisch im Netz der Forscher: Was schadet der heimischen Population?

Es ist die Kombination mehrerer Stressfaktoren, die der heimischen Fischpopulation schadet. Zu diesem Schluss kommen Experten im Rahmen eines Interreg-Forschungsprojektes.

Insgesamt 81 Gewässerstellen in Nord-, Ost- und Südtirol analysierten die Fachleute im Rahmen des Projektes „Alffa“.
© Projekt ALFFA

Innsbruck – Die gute Nachricht vorweg: Die Wasserqualität der heimischen Fließgewässer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert: Chemische Substanzen wie Nitrat, Aluminium, Kupfer und Ammoniak liegen demnach weit unter den gesetzlichen Grenzwerten. Fachleute des Forschungszentrums „Eurac research“ in Bozen, der Innsbrucker Universität und der Agentur Landesdomäne der autonomen Provinz Bozen haben im Rahmen eines dreijährigen Interreg-Projektes kleine und mittelgroße Gebirgsbäche und -flüsse in Nord-, Süd- und Osttirol genau unter die Lupe genommen. Der Inn wurde bei den Untersuchungen aufgrund seiner Größe ausgenommen.

Was die Forscher bei der Analyse von 81 Gewässerstellen allerdings auch herausgefunden haben, ist, dass äußere Einflüsse einen deutlichen negativen Einfluss auf die heimische Fischpopulation haben. „Und zwar vor allem dann, wenn es gleich mehrere Stressfaktoren sind, die auf das Gewässer einwirken“, erklärt Projektleiter Erich Tasser. Eine Kombination aus Wasserkraftwerken oder Schutzwasserbauten, Uferverbauungen, fehlenden Kleinstlebewesen, hohem Fischereidruck oder einer großen Anzahl fischfressender Vögel beeinträchtigt demnach die heimische Fischpopulation massiv. Treten die Störfaktoren nur einzeln auf, haben sie jedoch kaum negative Auswirkungen, sagt Tasser. Aber auch die Beschaffenheit des Ufers, das Umland oder die Höhenlage beeinflussen die Auswirkungen der Störfaktoren auf das Gewässer. Daher müsse auch jeder Gewässerabschnitt mit seiner Umgebung für sich betrachtet werden, wenn es etwa darum geht, Störfaktoren festzustellen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen oder Ausgleichs­projekte zu planen.

In Nord-, Süd- und Osttirol fanden die Forscher insgesamt 26 verschiedene Fischarten – allen voran die Bachforelle, die Koppe und die Regenbogenforelle. Darüber hinaus haben die Wissenschafter auch das Vorkommen der kleinen wirbellosen Tiere in den Gewässern, die den Fischen als Nahrung dienen, erfasst. Ebenfalls analysiert wurden Faktoren wie Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt sowie die Belastung durch Hormone. Diese gelangen über Pflanzenschutzmittel, Medikamente oder die Antibabypille ins Gewässer und werden von Kläranlagen nicht gefiltert. Hormone bewirken eine Verweiblichung mancher Fischpopulationen und haben letztlich eine geringere Fortpflanzungsrate zur Folge. Was die fischfressenden Vögel wie Graureiher, Kormorane und Gänsesäger betrifft, zeigen die Ergebnisse, dass der Fischbestand zwar an einzelnen Stellen beeinträchtigt werden kann, grundsätzlich die Vögel aber nicht für einen Rückgang der heimischen Fischpopulation verantwortlich gemacht werden können.

„Es ist das erste Mal, dass eine Studie so viele Einflussfaktoren berücksichtigt und eine so große Fläche erfasst“, zieht Erich Tasser eine erste Bilanz. Denn nach dieser Auswertung stehe man erst am Beginn der Erkenntnisse. „Was wir jetzt haben, sind Momentaufnahmen, die uns zu weiteren Fragestellungen führen, denen wir in den kommenden Monaten nachgehen werden“.

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