Anschober: „Kein Glassturz“ über Österreich bei Coronavirus

Vor einem Treffen mit den Gesundheitslandesräten wegen der Coronavirus-Epidemie hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit betont: „Man kann keinen Glassturz über Österreich errichten.“ Die nächsten ein, zwei Wochen würden entscheidend sein, wie die Entwicklung bei SARS-CoV-2 verläuft.

Nach der Entwicklung am Wochenende, vor allem durch die Krankheitsfälle in Italien, sei die Situation ernst, „aber es gibt keinen Grund zur Panik“, betonte der Ressortchef. Österreich sei in engem Kontakt mit anderen Staaten. Tritt bei einem Coronavirus-Verdachtsfall ein Hinweis auf eine Verbindung nach Österreich auf, werden die heimischen Behörden sofort informiert, betonte er erneut. Bisher sei ein solcher Fall nicht eingetreten.

Auch auf heimische Verdachtsfälle werde sofort reagiert. Der Test auf das neuartige Coronavirus, dass die Lungenkrankheit Covid-19 verursacht, dauere mittlerweile nur noch wenige Stunden bis zu einem Ergebnis, berichtete der Gesundheitsminister. Auch die bis Montagvormittag in Österreich durchgeführten 189 Tests waren alle negativ. Dass der Höhepunkt der „normalen“ Grippewelle überschritten ist, sei auch positiv in Sachen Coronavirus.

Weiters setzt das Ministerium auf eine enge Zusammenarbeit im Land selbst: Die Kommunikation in der Regierung sei hervorragend, lobte Anschober, ebenso jene zwischen Bund und Ländern. In der heutigen Sitzung mit den Gesundheitslandesräten werde die aktuelle Entwicklung in Italien besprochen sowie die Lage in China. Vor allem würden Maßnahmen für allfällig auftretende Erkrankungsfälle im Inland thematisiert. „Es ist derzeit keine globale Pandemie“, betonte der Politiker. Dennoch würden die Vorbereitungsarbeiten für eine allfällige Erkrankung in Österreich laufen.

Professor Heinz Burgmann, Leiter der klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin an der MedUni Wien, hält Grenzkontrollen für unangebracht. „Ich denke nicht, dass Grenzkontrollen etwas bringen“, verwies er im Ö1-“Mittagsjournal“ darauf, dass viele Reisende eine Infektion im Frühstadium haben könnten, die man nicht entdeckt. „Es ist eine Frage der Zeit, es kann jeder Zeit passieren“, sagte der Experte zu möglichen Infektionen in Österreich. Vor einer Italienreise solle man überlegen, ob man nicht lieber abwartet, wie sich die Lage entwickelt, so Burgmann. Dass das Virus ansteckender geworden sei, könne man aufgrund der bisherigen Vorgänge in Italien aber nicht sagen.

In Italien sei es das Problem, dass der sogenannten Patient 0 im Gegensatz zu Deutschland nicht gefunden worden sei. Daher seien auch alle dortigen Maßnahmen angebracht. Vor allem in Oberitalien wurden beispielsweise viele Veranstaltungen abgesagt und Ausflugsziele geschlossen. Die Weitergabe des Coronavirus soll so gut wie möglich verhindert werden. „Derzeit ist es das Ziel, eine Pandemie zu verhindern“, sagte Burgmann.

SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner forderte eine Informationsoffensive. „Es ist jetzt höchste Zeit für eine Informationsoffensive und umfassende Aufklärung für die Bevölkerung. Die Lage ist ernst. Die Menschen sind verunsichert, sie wissen nicht, wie sie sich selbst am besten schützen sollen“, so Rendi-Wagner. Es brauche leicht zugängliche Informationen, wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann, wie die Symptome aussehen, wie die Behandlung verläuft, wer die Risikogruppen sind und Verhaltensregeln. Zudem soll das Coronavirus auf die Tagesordnung des Nationalen Sicherheitsrats, der auch nicht erst wie vorgesehen am Freitag, sondern früher stattfinden soll.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verwies auf den Einsatzstab im BMI, der in den Mittagsstunden zusammentritt. Dieser besteht aus Experten der Ministerien sowie einer Fachgruppe. Auch dort werde durchexerziert, wie die Reaktion auf einen möglichen bestätigten Coronavirus-Fall im Inland ausfallen würde. Derzeit sei die Situation aber sicher und stabil, „und wir sorgen dafür, dass es so bleibt“, betonte der Ressortchef. Laut Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) steht die ABC-Abwehrschule in Vorbereitungen, um allenfalls unterstützen zu können. Zwei Kompanien der ABC-Abwehrschule des Heeres bereiten sich auf einen allfälligen Einsatz vor.


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