Coronavirus hat Tirol erreicht: Erkrankte in Klinik isoliert, 62 Personen aus Hotel Europa getestet

Die ersten Corona-Fälle Österreichs wurden am Dienstag bei zwei 24-Jährigen in Tirol festgestellt. Der Arbeitsplatz – das Hotel Europa in Innsbruck – und der Wohnort einer Patientin wurden isoliert, weitere Personen getestet und unter Quarantäne gestellt.

Endstation Eingangstür: Die Arbeitsstätte der 24-jährigen Erkrankten, das Hotel Europa in Innsbruck, wurde gestern abgeriegelt.
© Thomas Böhm

Innsbruck, Bozen – Ein Polizeiaufgebot von 15 Beamten marschierte gestern am späten Nachmittag beim Hotel Europa in Innsbruck auf. Der Grund: das Coronavirus. Am Montag hatte sich eine 24-jährige in Innsbruck lebende Italienerin gemeinsam mit ihrem gleichaltrigen Freund nach einem Lombardei-Aufenthalt bei der Leitstelle Tirol mit Coronavirus-Symptomen gemeldet. Am Dienstag bestätigte ein zweiter Test den Verdacht, das Pärchen wurde umgehend in der Innsbrucker Klinik isoliert.

Kontaktpersonen unter Quarantäne gesetzt

Abgeriegelt wurde deswegen der Arbeitsplatz der Italienerin, einer Studentin: Die 24-Jährige arbeitet nebenbei im Hotel Europa. Polizisten blockierten gestern die Zugänge zum Gebäude und alle Personen, die mit der Patientin Kontakt gehabt haben könnten, wurden auf das Coronavirus getestet.

Hotel in Europa in Innsbruck gesperrt

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Auch der Wohnort der jungen Frau rückte ins Interesse der Beamten: Die Italienerin wohnt in Innsbruck in einer Wohngemeinschaft. „Wer keinen engen Kontakt mit der Frau hatte und sich als gesund erweist, kann sich uneingeschränkt bewegen. Enge Kontaktpersonen hingegen wurden unter Quarantäne gesetzt“, sagte Florian Kurzthaler, Vorstand der Öffentlichkeitsarbeit im Amt der Tiroler Landesregierung.

Insgesamt wurden 62 Personen getestet, neun davon wurden unter Quarantäne gestellt, teilte das Land am Mittwoch mit. Auch aus dem engen sozialen Umfeld der Erkrankten mussten drei Personen in Quarantäne.

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Die junge Italienerin war zuletzt am Freitag an ihrem Arbeitsplatz im Hotel. „Wir haben bei allen 62 getesteten Personen Untersuchungen und zur Sicherheit auch Abstrichproben vorgenommen. Zudem wurden alle Personen registriert und befragt sowie über die notwendigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen informiert", erklärte Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber.

Alle 62 Getesteten wiesen einen guten Gesundheitszustand auf, hieß es. Jene neun, die unter Quarantäne gestellt wurden, hatten einen engen Kontakt zu der erkrankten Italienerin.

„Für die zwölf Personen wurde eine Isolierung angeordnet, die zwei Wochen andauern muss und polizeilich überwacht wird. Zudem müssen die Personen für diesen Zeitraum laufend ihren Gesundheitszustand überprüfen", erklärten Landeshauptmann Günther Platter und Innenminister Karl Nehammer (beide ÖVP). Alle Personen seien von den Behörden umfassend über das weitere Prozedere informiert worden.

Reisewarnung für betroffene Gebiete in Italien

Landeshauptmann Platter hat unterdessen auch die Reisewarnung des Bundes für die in Italien am stärksten betroffenen Gebiete bekräftigt. Bei einem Sondertreffen in Bozen beschlossen die Euregio-Länder gestern die Einrichtung einer gemeinsamen Koordinationsstelle.

📽 Video | Coronavirus-Fälle in Tirol

Coronavirus-Ambulanz an der Klinik

Behörden und Politik in Tirol haben auf die beiden bestätigten Coronavirus-Verdachtsfälle reagiert und ein Maßnahmenbündel geschnürt: So wird an der Innsbrucker Klinik in den kommenden Tagen eine spezielle Coronavirus-Ambulanz eingerichtet, die als Anlaufstelle zur raschen Abklärung bei Verdachtsfällen dienen soll, wie Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) mitteilte.

Eine wesentliche Rolle werden weiterhin die Gesundheitsämter und vor allem die Hausärzte spielen. Bei einem Coronavirus-Verdacht werden sie telefonisch von den Patienten mit Symptomen kontaktiert und sollen dann bei einem Hausbesuch die Abstriche zur Bestimmung der Erkrankung durchführen.

Neben der Gesundheits-Hotline des Landes mit der Nummer 1450 gibt die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit unter 0800 555621 Auskünfte rund um das Coronavirus. Außerdem informiert das Land laufend auf seiner Homepage tirol.gv.at sowie über die Land Tirol App.

Keine Klassenfahrten in Risikogebiete

Die Bildungsdirektion Tirol hat die Anordnung ausgegeben, dass Klassenfahrten und Schüleraustausche heimischer Schulen in die betroffenen Risikogebiete Norditaliens bis auf Weiteres abgesagt werden.

Innsbrucks Gesundheitsstadtrat Vize-BM Franz Gruber (ÖVP) betont, dass kein Grund zur Panik bestehe, Wachsamkeit aber geboten sei: „Das städtische Amt für allgemeine Sicherheit und das städtische Gesundheitsamt setzten in diesen Stunden die vorgesehenen Maßnahmen in engster Abstimmung mit den Landes- und Bundesbehörden um.“

📽 Video | Coronavirus: Symptome, Übertragung und Schutz

19 Mitarbeiter in Zams unter „besonderer Beobachtung"

Noch bevor gestern die Coronavirus-Erkrankungen bekannt wurden, informierte das Krankenhaus Zams über besondere Vorsichtsmaßnahmen für 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese hatten vergangene Woche im Rahmen eines Betriebsausfluges den Karneval in Venedig besucht. Zwar zeige keiner der Teilnehmer bisher Symptome, die auf eine Erkrankung hinweisen würden, die Betroffenen würden aber vorerst unter besonderer Beobachtung stehen.

Berichte von Hamsterkäufen in Supermärkten

Aus Tiroler Supermärkten, besonders im Großraum Innsbruck, gibt es vereinzelt Berichte von Hamsterkäufen. Die Menschen decken sich mit allem Möglichen ein – von Getränken, Nahrungsmitteln bis hin zu Hygieneartikeln. Informationen über Lieferengpässe liegen derzeit nicht vor.

Platter: „Brenner-Grenze wird nicht geschlossen"

Tirols Landeshauptmann Günther Platter und seine Amtskollegen Arno Kompatscher (Südtirol) und Maurizio Fugatti (Trentino) bekräftigten gestern im Anschluss an eine außerordentliche Vorstandssitzung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ein weiteres Mal, dass die Brenner-Grenze nicht geschlossen werden soll.

„Auch weil es unmöglich ist, so viele Menschen zu kontrollieren“, sagte Platter bei einer Pressekonferenz in Bozen. Es wird eine Corona-Koordinierungsstelle eingerichtet, um der Bedrohung mit gemeinsamem Vorgehen zu begegnen. (np, bfk, TT.com)

📽 Video | So schützt man sich vor dem neuen Coronavirus


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