Knebl und Scheirl im Österreich-Pavillon bei Biennale

Die Künstlerinnen Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl konzipieren den Österreich-Pavillon bei der 59. Biennale 2021 in Venedig. Die beiden Künstlerinnen seien „zwei der dynamischsten und international renommiertesten Künstlerinnen, die Österreich derzeit hat“, sagte Ulrike Lunacek in ihrer ersten Pressekonferenz als Kunst- und Kultur-Staatssekretärin.

Sie sei der Präferenz der Jury gefolgt, sagte Lunacek. Diese bestand aus Lentos-Direktorin Hemma Schmutz, KHM-Kurator Jasper Sharp, Künstler Erwin Wurm und „Parnass“-Chefredakteurin Silvie Aigner. Sie finde es „demokratiepolitisch sehr toll, dass es nun auch bei der Kunstbiennale erstmals einen Juryprozess zur Auswahl gibt“, sagte Schmutz. 60 Kuratorinnen und Kuratoren haben an der Ausschreibung teilgenommen, acht wurden zum Hearing eingeladen, danach wurde „ein Dreiervorschlag mit Präferenz“ präsentiert. „Es war keine Entscheidung gegen die 59 anderen“, versicherte Schmutz, die noch bis 17. Mai Knebls Ausstellung „Frau 49 Jahre alt“ im Kunstmuseum Lentos Linz zeigt, und nannte die Einreichungen vielfältig und toll: „Österreich hätte zehnmal den Pavillon füllen können, die Qual der Wahl war sehr schwer.“

Die Wahl fiel auf Karola Kraus, die als Kuratorin mit den Künstlerinnen Knebl und Scheirl angetreten war. Aus dieser Wahl sei jedoch kein Präjudiz für die anstehende Entscheidung über die künftige mumok-Leitung „rauszulesen“, versicherte Lunacek. Die Hearings hätten stattgefunden, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen und werde in den nächsten Wochen bekanntgegeben. Kraus hat sich um Verlängerung ihres seit Herbst 2010 laufenden Vertrags beworben. Karola Kraus sagte, sie habe sich für die beiden Künstlerinnen entschieden, weil sie „aktuelle, brisante und innovative Themen in sinnlichen Arbeiten breitenwirksam verhandeln. Ihre von vielfältigen Verschränkungen zwischen Kunst, Performance, Design, Mode und Architektur geprägten Werke thematisieren aktuelle Diskurse, die international rezipiert werden.“

Zuletzt hätten sie gemeinsam „mit einer fulminanten raumgreifenden Installation“ bei der 15. Biennale in Lyon 2019 Erfolg gehabt. Einige der dort umgesetzten Ideen sollen auch in Venedig weitergeführt werden. Dort werde es „bühnenartige Installationen, in denen sich ihr gesamter künstlerischer Kosmos ausbreitet“, geben, sagte Kraus. Dieser umfasse Malerei und Fotografie, Textil- und Soundarbeiten, Objekte, Videos und Apps. Die „architektonischen Gegebenheiten des symmetrischen Pavillons“ werden dafür genutzt, jeweils einzelne Positionen zu zeigen, „die sich gleichzeitig an verschiedenen Stellen miteinander verweben“. Das vom Bund gestellte Budget von 450.000 Euro wird wie immer nicht ausreichen. „Wir planen ungefähr 700.000 Euro Gesamtbudget. Den Rest werde ich akquirieren“, so Kraus.

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Der Arbeitstitel der gemeinsamen Schau lautet „Invitation of the soft machine and her angry body parts“. Soft sei die Materialität, die Frauen zugeschrieben werde, erläuterte Knebl, die sich laut eigenem Bekunden „seit Tagen in einer Schockstarre vor Glück“ befindet. Es gehe in ihren „Begehrensräumen“ um - sowohl queeres wie heterosexuelles - Begehren. „Wir sind dabei oft auf Körperteile fixiert.“ Das Auseinandernehmen des Körpers sei wichtig, um die Komplexität der Identitäten zu verdeutlichen, sagte Ashley Hans Scheirl: „Wir sind ja Mehrere und haben auch mehrere Beziehungen zur Außenwelt.“

Vielfältig wird nicht nur das Spiel mit Identitäten, sondern auch die Verschränkung der beiden Künstlerinnen in den gezeigten Arbeiten: So soll Knebl als Motiv auf Bildern Scheirls auftauchen, diese zieren eine Kollektion des Wiener Modelabels „House of the Very Islands“. Überhaupt gab Knebl das Motto aus: „Kunst raus aus dem elitären Raum und hinein in den Alltag damit!“ Gleichzeitig soll Wien und Venedig, Reales und Virtuelles im Begleitprogramm miteinander verschränkt werden. Angekündigt wurden Video-Übertragungen nach Wien, Hologramme, „in die wir zu bestimmten Uhrzeiten live hineinsteigen“, häufige Ortspräsenz, „um mit den Besuchern in Beziehung zu treten“, und ein Barbecue. Letzteres sei aber noch unsicher wegen der Brandschutzvorschriften, schränkte Knebl ein: „Sonst stellen wir Gulaschkesseln auf.“

Mit der quasi-offiziellen Repräsentanz Österreichs betraut zu werden, hat Knebl kein Problem: „Es ist eine Ehre, dieses Vertrauen und diese Chance zu bekommen. Die politischen Verhältnisse sind weder in Österreich noch in Italien super. Wir haben eine schwierige politische Situation weltweit. Wir haben aber auch die Chance zu gestalten. Und gleichzeitig gibt es auch viel Positives. ‚Fridays for Future‘ ist ja nicht schlecht...“


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