Rechnerisch: Erst ab heute bekommen Frauen Lohn

Der heutige Equal Pay Day markiert den Zeitpunkt, bis zu dem Frauen in Österreich statistisch gesehen gratis gearbeitet haben.

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Wien –Gestern, am 25. Februar, war in Österreich der Equal Pay Day, mit dem das Frauennetzwerk Business and Professional Women auf die Lohnungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen aufmerksam macht. Der Equal Pay Day steht symbolisch für jenen Tag, bis zu dem Frauen im Vergleich mit Männern, die seit Jahresbeginn bezahlt arbeiten, unbezahlt arbeiten müssen. Die Lohnlücke wird nur sehr langsam geschlossen: In den vergangenen drei Jahren ist der Equal Pay Day jeweils nur um einen Tag vorgerückt.

Laut Berechnungen der Unternehmensberatung Mercer liegt die bereinigte Lücke im Grundgehalt zwischen Männern und Frauen in Österreich durchschnittlich bei 6,6 Prozent. Dabei betrage der Unterschied im Bereich der Facharbeiter und Spezialisten durchschnittlich 3,7 Prozent und steige mit zunehmendem Hierarchielevel an. Die unbereinigte Lücke, mit auf Vollzeit hochgerechneten Werten ungeachtet der Position im Unternehmen, liege demnach bei 17 Prozent. Die Mercer-Analyse basiert auf Lohn- und Gehaltsdaten von über 215 Unternehmen mit Sitz oder Hauptsitz in Österreich.

Politikerinnen aller Parteien kritisieren die Lohnlücke. Frauenministerin Susanne Raab und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (beide ÖVP) verwiesen in einer gemeinsamen Aussendung darauf, dass die türkis-grüne Bundesregierung die Einkommensberichte besser zugänglich machen und ein Equal-Pay-Siegel für Unternehmen einführen will. Die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski, betonte, dass Maßnahmen zügig umgesetzt werden müssten.

Zentrale Forderung der SPÖ zur Schließung der Lohnschere ist u. a. ein kollektivvertraglicher Mindestlohn von 1700 Euro steuerfrei. „Sanktionen und Zwang zur Lohntransparenz“ fordert die SPÖ-EU-Abgeordnete Evelyn Regner. NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter verlangt die Umsetzung „gleichberechtigter, individueller Karenzansprüche“ sowie einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für jedes Kind ab dem ersten Geburtstag. „Geht es in diesem Schneckentempo weiter, dann dauert es noch Jahrzehnte, bis die Unterschiede endlich der Vergangenheit angehören“, beklagte FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker. (APA, TT)


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