Gletscherschmelze in Hohen Tauern setzte sich 2019 fort

Das Schwinden von Österreichs größtem Gletscher, der Pasterze am Großglockner, ging 2019 weiter. Obwohl das Abschmelzen im Vergleich zu den Jahren davor etwas reduziert ausfiel, lagen die maximalen Eismasseverluste im untersten Bereich des Gletschers bei knapp über neun Metern, hieß es am Dienstag in einer Aussendung. Die Zerfallserscheinungen an der Gletscherzunge seien deutlich sichtbar.

Vor Sommerbeginn 2019 gab es laut Gletscher- und Schneedeckenmonitoring auf dem Sonnblick und der Pasterze für die heimischen Gletscher noch einen satten Schneezuwachs: Alleine im Mai wuchs laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) die Schneedecke um einen bis eineinhalb Meter. Doch bereits der folgende Monat - immerhin der heißeste Juni der Messegeschichte -, habe dem vermeintlich ewigen Eis diesen Startvorteil in die Ablationsperiode, also den Zeitraum in dem die Gletscherschmelze stattfindet, großteils genommen, so ZAMG-Experte Anton Neureiter.

Die Verluste bei den kleinen Gletschern am Sonnblick entsprachen 2019 „ziemlich genau dem Durchschnitt der letzten Jahre“, so der Glaziologe. Demnach kam dem Kleinfleißkees im vergangenen Jahr im Schnitt 0,8 Meter Eisdicke abhanden. Am Goldbergkees lag dieser Wert im Mittel bei 0,9 Metern. „Auf den Gletschern des Hohen Sonnblicks kam es zu einem eher späten ausapern, und es entstanden auch nennenswerte Schneerücklagen, was zuletzt 2016 der Fall war“, so Neureiter. Leichte Eiszuwächse wurden bei den beiden Gletschern zuletzt im Jahr 2014 verzeichnet.

Erstellt werden die Jahresmassebilanzen auf Basis von insgesamt 40 Messpegeln, die Ende September 2019 abgelesen wurden. Zusätzlich wurden im Oktober 120 Sondierungen der Altschneedecke durchgeführt. Außerdem gehen Daten von automatischen Kameras in die Berechnungen ein.

„Zum einen durch das Einsickern von Wasser in Felsspalten und zum anderen wahrscheinlich auch durch das Auftauen des Permafrosts“ führe die Klimaerwärmung auch zu einer Zunahme des Steinschlags in den Alpen, so Michael Avian, ZAMG-Experte für Erdbeobachtung. Nach einem Bergsturz im Jahr 2007 beobachten seit 2010 Wissenschafter unter der Leitung der Uni Graz den Bereich Burgstall nahe der Pasterze. „Im Bergsturzbereich Mittlerer Burgstall ist die laufende Steinschlagaktivität aus den Laserscanningmodellen zu erkennen, mit Felsblöcken von bis zu fünf Kubikmetern. Die Südwand des Hohen Burgstall zeigt nur geringe Steinschlagbereiche, mit kleineren Blöcken von maximal zwei Kubikmetern“, so Avian.


Kommentieren


Schlagworte