Wirtschaftskammer bereitet Kurzarbeit in Reisebüros vor

Die Wirtschaftskammer bereitet wegen des Ausbruchs des Coronavirus Kurzarbeit in Reisebüros vor. Der zuständige Fachverband sei dazu in Gesprächen mit der Gewerkschaft GPA-djp, sagte WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Das Geschäft der Reisebüros mit österreichweit rund 10.000 Mitarbeiter sei „nahezu zum Erliegen gekommen“, Buchungen „dramatisch eingebrochen“.

Kurzarbeit als Instrument einer Krise brauche gegenseitiges Einvernehmen, auch mit dem AMS. Man kläre derzeit, ob es sich auch für kleinere Betriebe eignet, erklärte der WKÖ-Arbeitsrechtsexperte Rolf Gleißner. Wenn das geregelt sei, könne die Kurzarbeit in ein oder zwei Wochen umgesetzt werden, sagte Kopf. Ob Kurzarbeit wegen des Coronavirus auch in anderen Branche Thema sei? „Derzeit nicht“, so Kopf. Durch den Ausbruch in Italien sei das wesentlich komplexer geworden, vor allem im Tourismus.

Der Präsident der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, hält die wirtschaftlichen Folgen durch den neuartigen Coronavirus für „weit krasser als die meisten vermuten“. „Mich erreichen Hilfeschreie aus allen Ecken“, sagte Wuttke der Zeitung „Die Welt“ vom Mittwoch. Viele in China tätige mittelständische Unternehmen trieben bereits auf den Bankrott zu.

Zahlreiche dieser Firmen hätten seit Wochen keine Einnahmen mehr. „Für große Konzerne ist das meist kein Problem“, sagte Wuttke. „Aber viele Mittelständler kommen schon jetzt in die Bredouille.“

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Bisher unterschätzt werden demnach auch die Folgen für die Versorgung in Deutschland. Allein die großen Reedereien Cosco und Maersk hätten in den vergangenen vier Wochen jeweils 70 Containerschiffe nicht auslaufen lassen. Da die Schiffe sechs Wochen unterwegs seien, kämen derzeit zwar immer noch Schiffe aus China an, „schon bald werden aber sehr viel weniger ankommen, dann werden in Europa etliche Produkte knapp werden“, sagte der Handelskammer-Chef. Dies dürfte ab März besonders die Pharmabranche treffen, aber auch andere Bereiche.

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, forderte vor diesem Hintergrund ein generelles Umdenken. Die Manager müssten umdenken und die Wertschöpfungsketten wieder verkürzen, damit diese robuster würden, sagte Felbermayr am Mittwoch im Deutschlandfunk. Produktionen müssten wieder nach Europa zurückverlagert werden.


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