„Putzt euch, tanzt, lacht“ von Karin Peschka: Ausfahrt in ein neues Leben

Karin Peschka lässt in „Putzt euch, tanzt, lacht“ mit einem Hüttenfriedens-bruch die Revolution gegen voreiligen Gehorsam beginnen.

Karin Peschka, die 2017 beim Bachmann-Wettbewerb den Publikumspreis gewann, präsentiert ihren neuen Roman heute Abend in Innsbruck.
© Taha Alkadhi

Von Joachim Leitner

Innsbruck – Manchmal kommt alles anders: Am End­e von „FanniPold“ (2016) hängt Fanni tot im Baum. Ein Tandemfallschirmflug, das wohlmeinende Geschenk ihres „Weiberbrunchs“, nahm die denkbar unglückseligste Wendung. Jetzt lebt Fanni wieder. Und sie fährt einfach weiter. Vorbei an der Ausfahrt zum therapeutischen Erstgespräch, das vorsorglich vereinbart war. Auf der Autobahn in die Nacht, aufs Land, in die eigene Vergangenheit, irgendwie jedenfalls, hinauf auf die Alm, die ihre Eltern einst ihrer Jugendliebe zur Pacht gaben. Fanni ist stellvertretende Supermarktabteilungsleiterin, Ende 50, verheiratet, die erwachsene Tochter – eines von zwei Nicht-mehr-Kindern, das andere hat sich am Bodensee niedergelassen – baut gerade am Eigenheim, die Pension ist in Sicht, eine etwa gleichaltrige Freundin gerade gestorben.

So geht es los, „Putzt euch, tanzt, lacht“, das vierte Buch von Karin Peschka, die sich in den vergangenen Jahren vom Geheimtipp („Watschenmann“, 2015) zur fixen Größe der heimischen Literaturszene geschrieben hat. Dann geht es – virtuos komponiert – durcheinander: In kurzen weder chronologisch noch vordergründig räumlich geordneten Kapiteln wird das Neue, das mit einem „Hüttenfriedensbruch“ im Pinzgau beginnt, durchdekliniert. Mit anderen etwas in die Jahre gekommenen, aber auch blutjungen Sinnsuchern gründet sie eine – gemäß Vereinsstatut – „divers ausgerichtete Wohngemeinschaft“. Die alpine Aussteiger-Utopie „Accursia e.V.“ soll Gegenentwurf zum zunehmend durchdigitalisierten Alltagseinerlei sein, ein beherztes Bekenntnis: Nicht alles, was neu ist, ist gut – und nicht alles Bewährte gehört zum sprichwörtlich alten Eisen.

Aber – keine Sorge – als neokonservatives Manifest entpuppt sich „Putzt euch, tanzt, lacht“ deshalb noch lange nicht. Vielmehr ist der Roman ein hintersinniger Aufruf wider voreiligen Gehorsam auf ausgetretenen Pfaden. Was auch am Ton liegt, den Peschk­a ihre aus beinahe allwissender Ich-Perspektive erzählende Fanni anschlagen lässt: Leise ironisch, aber nie verblödelt oder bummelwitzig, bisweilen lakonisch abgebrüht und noch in Ausnahmesituationen unaufgeregt, menschelt es in diesem Roman, der die kleinen Triumphe gegen die ganz großen Widerstände feiert.

Roman

Karin Peschka: Putzt euch, tanzt, lacht. Otto Müller Verlag, 312 Seiten, 23 Euro.

Literarisches Doppel. Karin Peschka präsentiert ihren neuen Roman heute Donnerstag, 19 Uhr, im Innsbrucker Literaturhaus am Inn. Lukas Meschik, einst Stadtschreiber in Kitzbühel, stellt seinen Roman „Vaterbuch“ vor. „Vaterbuch“ ist im Innsbrucker Limbus Verlag erschienen.

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