Baustart für Kinder-Reha in Wiesing rückt näher

Widmung und Bebauungsplan für die Kinder-Reha sind jetzt aufsichtsbehördlich genehmigt. Die Senecura will mit dem Bau im Sommer beginnen. Ein ärztliches Gutachten fehlt noch, was für Kritik sorgt.

Auf dem Feld am Ortseingang von Wiesing soll die Kinder-Reha auf 12.000 Quadratmetern Grund gebaut werden.
© Dähling

Von Angela Dähling

Wiesing – Fünf Monate sind vergangen, seit mit der Mehrheit von zwölf Gemeinderäten die (überarbeitete) Widmung für den Bau der Kinder-Rehabilitation beschlossen wurde. Die aufsichtsbehördliche Genehmigung durch das Land war bislang ausständig. „Jetzt liegt sie vor. Und auch der Bebauungsplan ist aufsichtsbehördlich genehmigt“, sagt der Wiesinger Bürgermeister Alois Aschberger erfreut. Dass die Genehmigung so lange gedauert hat, erklärt er mit den Worten: „Wir haben eine genaue und gescheite Prüfung verlangt.“

Für den Wiesinger Bürgermeister sind die Genehmigungen ein Meilenstein, denn raumordnerisch steht dem Baustart damit nichts mehr im Wege. Und das, obwohl der Standort umstritten ist. Grund ist der Lärm durch die Bundesstraße und den Steinbruch Tiergarten. Die Abteilung ESA (Emissionen – Sicherheitstechnik – Anlagen) hatte für das Areal im Auftrag der Abteilung Raumordnung im Sommer 2019 ein Lärmtechnisches Gutachten erstellt. Es hatte zur Folge, dass Auflagen für eine Widmung nötig wurden – etwa eine „fensterlose Fassade“ der Kinder-Reha im Südosten (Richtung Straße und Steinbruch) bzw. eine Fassade mit Fenstern, die man nicht öffnen kann, sollten hier Patienten untergebracht werden. Die dann darauf abgestimmte geänderte Sonderflächenwidmung samt Bebauungsplan erhielt nun grünes Licht.

„Von uns aus ist alles Nötige getan. Alles Weitere ist nicht in unserem Zuständigkeitsbereich“, sagt Aschberger. Er meint damit auch das umweltmedizinische Gutachten, das von der Opposition und vom Transitforum vehement gefordert wird. Seitens des Büros von Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg hieß es gestern lediglich, dass aufgrund der plausiblen Lärmgutachten die Beiziehung eines medizinischen Sachverständigen nicht erforderlich gewesen sei und im raumordnungsrechtlichen Widmungsverfahren ein medizinisches Gutachten nicht vorgesehen sei.

Damit bis zur krankenanstaltsrechtlichen Errichtungs- und Betriebsbewilligungsverfahren zu warten, hält GV Maria Chelucci von der Opposition für unprofessionell. „Die Gemeinde hätte es vorab selbst in Auftrag geben können. Wenn der Standort so toll ist, brauche ich mich davor nicht zu fürchten, sondern hätte im Sinne der Kinder auch von ärztlicher Sicht die Bestätigung“, sagt sie. Kritik kommt auch von Transitforumsobmann Fritz Gurgiser: „So wie die Tiroler Ärztekammer und die Abteilung Raumordnung und Statistik halten wir fest, dass ein bisher fehlendes ärztliches Gutachten unabdingbar ist, um überhaupt eine Baugenehmigung zu erteilen.“ Die Tiroler Landesregierung habe offenbar immer noch nicht erkannt, dass die Errichtung von derart sensiblen medizinischen Einrichtungen hier persönlichen Interessen untergeordnet werde. Die Senecura/Optimed, die die Kinder-Reha bauen und betreiben will, ließ gestern mitteilen: „Wir haben den Spatenstich für die Kinder-Reha Wiesing für den Sommer 2020 geplant und die Inbetriebnahme für Sommer 2021.“ Fragen nach vorliegenden bzw. fehlenden Gutachten blieben unbeantwortet.


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