Wechsel an der Spitze: Neuer Präsident für 548 Tiroler Anwälte

Mit der Vollversammlung kommt es bei der Tiroler Rechtsanwaltskammer zum Wechsel an der Spitze. 548 Anwälte müssen einen Nachfolger für Präsident Markus Heis finden.

Der Anwältestand muss viele Herausforderungen meistern. Die Digitalisierung der Justiz ist eine davon.
© ilkercelik

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Rechtsanwälte sind heutzutage ja fast schon unverzichtbar – so sehr schreitet die Verrechtlichung der Gesellschaft auf allen erdenklichen Ebenen voran. Kaum noch ein wirtschaftlicher Bereich, den ein rechtlicher Laie ohne fundierte juristische Begleitung gefahrlos durchschreiten kann.

Nach zwei Perioden an der Spitze der Standesvertretung übergebe ich das Zepter an einen Nachfolger.
Markus Heis (RA-Präsident)

Davon leben auch die – mit Stand letzter Woche – 548 Tiroler RechtsanwältInnen, die Mandanten in allen Bezirken mit Rat und Tat zur Seite stehen. Von der Innsbrucker Meraner Straße aus wacht der 17-köpfige Ausschuss der Tiroler Rechtsanwaltskammer über die Geschicke des Standes – und ein nicht weniger als 20-köpfiger Disziplinarrat über die Einhaltung der Berufspflichten.

Mit der heurigen Vollversammlung der Tiroler Anwälte am 14. Mai könnte sich an der Zusammensetzung der Gremien einiges ändern. Einige Mitglieder sind sozusagen bereits „im besten Alter“ und könnten neben Kanzlei und Gericht noch weitere Lebensperspektiven haben.

Markus Heis.
© Rechtsanwaltskammer Tirol

So auch der längjährige Präsident Markus Heis. Der Innsbrucker Rechtsanwalt bestätigte dieser Tage auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung den Rückzug von der Spitze der Standesvertretung: „Das Amt hat mich gefreut und geehrt. Zwei Perioden oder acht Jahre als Kammerpräsident sind aber genug“, so der 63-Jährige.

Bis zur Wahl in der Vollversammlung können nun alle 548 AnwältInnen mit Sitz und Stimme Wahlvorschläge für ihren neuen Präsidenten und Ausschussmitglieder einbringen. Die TT hat sich bei etlichen Anwälten umgehört und kommt zum Schluss: Eine Palastrevolution dürfte wohl ausbleiben. Steht doch auch Heis’ NachfolgerIn Knochenarbeit bevor. Etliche Herausforderungen stehen an. So entpuppt sich das Pensionssystem mit einem Antritt erst mit 70 Jahren mittlerweile als Sorgenkind. Dazu trifft die fortschreitende Digitalisierung der Justiz auch die Advokaten – vor allem die Älteren im Stand. Auch die Mär vom immerreichen Rechtsanwalt ist vorbei. Aufgrund der Dichte und der Kosten ist die Anwaltei mittlerweile nämlich für viele ein beinhartes Geschäft geworden.

Tirols Rechtsanwälte

Wieder mehr Mitglieder. Nach Jahren rückläufiger Mitgliederzahlen geht es seit 2018 mit dem Stand diesbezüglich wieder aufwärts. So können Rechtsuchende in allen Bezirken nun zwischen 548 AnwältInnen wählen. Dazu kommen 10 niedergelassene Europäische Rechtsanwälte. Allein in Innsbruck befinden sich 331 eingetragene Rechtsanwälte, was bundesweit einer enormen Kanzleidichte entspricht.

Frau als Anwältin. Seit jeher gilt es als eher schwierig, den Beruf der Rechtsanwältin mit Kindern unter einen Hut zu bringen. Daran hat sich bis heute trotz Unterstützungsangeboten der Kammer nichts geändert. Bislang prägte ein männliches Bild den Berufsstand. So teilten sich mit Stand letzter Woche die 548 Kammermitglieder auf 442 männliche Kollegen und gerade 106 KollegInnen auf. Neue Gefahr für den Stand: Viele junge Juristinnen heuern wegen besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie lieber bei der Justiz oder beim Land Tirol an.

Nachwuchs. Mit dem Nachwuchs ist es bei den Tiroler Rechtsanwälten so eine Sache. Einerseits fürchten viele Rechtsanwälte aufgrund ohnehin schon hoher Anwältedichte weitere Konkurrenz durch junge KollegInnen. Andererseits sind Tirols Anwälte allein schon zur Aufrechterhaltung des Pensionssystems auf zahlreichen Nachwuchs angewiesen. Aktuell 118 Rechtsanwaltsanwärter geben Hoffnung. Interessant: Die Geschlechter sind nunmehr gleich verteilt – 50:50.


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