Philharmoniker-Cellist fristlos entlassen

Ein Cellist der Wiener Philharmoniker, der 2018 nach Missbrauchsvorwürfen als Professor von der Wiener Musikuniversität (mdw) entlassen worden war, ist nun auch an der Staatsoper fristlos entlassen worden - was per Vereinsstatut auch das Ausscheiden aus dem Orchester nach sich zieht. Die neue Wendung in der Causa kam aufgrund eines gerichtlichen Nachspiels der mdw-Kündigung.

Denn trotz einer Einigung auf die Entlassung mit der mdw aus dem Oktober 2018 hatte der ehemalige Cello-Professor, dem „gröblicher Missbrauch seiner Position“ gegenüber mehreren Studierenden vorgeworfen wurde, eine Fortsetzung des arbeitsgerichtlichen Prozesses gegen seine Entlassung angestrengt. Im Zuge der Verhandlung am vergangenen Dienstag ließ der Cellist dann mit der Aussage seines Anwalts aufhorchen, wonach Staatsopern-Direktor Dominique Meyer ihn gebeten habe, das Verfahren hinauszuzögern, bis dessen Amtszeit mit der aktuellen Saison ende. Meyer wies diese Darstellung zurück und wollte rechtliche Schritte prüfen lassen. Aufgrund der Ereignisse in der Verhandlung wurde dann am Mittwoch „die fristlose Entlassung ausgesprochen“, bestätigte die Staatsoper der APA einen Bericht des „Kurier“.

Diese Entscheidung hat Konsequenzen auch für die Wiener Philharmoniker, deren Vereinsstatuten eine enge arbeitsrechtliche Verknüpfung mit der Staatsoper vorsehen. Sie ziehen in diesem Fall „auch das Ausscheiden aus dem Verein der Wiener Philharmoniker nach sich“, bestätigte Vorstand Daniel Froschauer in einem Statement gegenüber der APA. Das Orchester befindet sich derzeit auf Tournee in Frankreich, die Nachricht der Kündigung erreichte sie zu Mittag - abends durfte der Cellist bereits nicht mehr spielen.

An der Staatsoper hatte man auf das Bekanntwerden der Vorwürfe und der mdw-Entlassung im Frühjahr 2018 bereits mit einer Dienstfreistellung reagiert, diese aber nach einer Prüfung der Situation mit Saisonbeginn 2018 wieder aufgehoben. Sowohl an der Staatsoper wie bei den Philharmonikern seien Dutzende Gespräche mit verschiedenen Beteiligten geführt worden, hieß es damals, dabei hätten sich aber „keinen konkreten arbeitsrechtlich oder strafrechtlich relevanten Vorwürfe an den Musiker ergeben“, der eine Entlassung zum damaligen Zeitpunkt gerechtfertigt hätten.

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