Absagen wegen Coronavirus: „Weltcup-Finale so nicht vorstellbar“

Wegen des Coronavirus werden europaweit Veranstaltungen wie der Genfer Autosalon abgesagt, Frühjahrsmesse in Innsbruck soll planmäßig stattfinden. ÖSV-Präsident Schröcksnadel stellt Sinn von Ski-Finale in Cortina infrage.

Großveranstaltungen mit Tausenden Besuchern stehen vor der Absage: Der Skiweltcup könnte einen Bogen um Cortina d’Ampezzo machen.
© Rok Rakun

Innsbruck – SSporport, Wirtschaft und Gesellschaft: Das Coronavirus fegt über Großveranstaltungen und Events hinweg. Um die Verbreitung einzudämmen, werden sie reihenweise gestrichen. Die Schweiz hat ihnen bis 15. März einen Riegel vorgeschoben. So bleiben die Türen beim Genfer Autosalon heuer zu. Die weltgrößte Reisemesse (ITB) in Berlin wurde ebenso wegen der Coronavirus-Folgen abgesagt.

Auch die Tourismusmesse in Berlin steht auf der Kippe.
© ASTNBENG

In Tirol sieht man die Situation deutlich entspannter. Für die Innsbrucker Messegesellschaft COME ist die Absage von Großveranstaltungen „derzeit nicht geplant“. Alle Veranstaltungen in den kommenden Tagen, etwa das Frank-Sinatra-Musical am Sonntag oder die Nacht der Musicals am Mittwoch, sollen planmäßig stattfinden. Ab Donnerstag tagen zudem rund 900 Mediziner beim Österreichischen Kardiologie-Kongress im Innsbrucker Kongresshaus.

Der Genfer Autosalon wurde bereits abgesagt.
© Rene Fluger

Auch die Tiroler Frühjahrsmesse von 12. bis 15. März mit mehr als 300 Ausstellern und rund 40.000 Besuchern sei derzeit nicht in Gefahr, heißt es auf TT-Anfrage. Allerdings liege die Letztentscheidung bei den Behörden, mit denen man sich im ständigen Austausch befinde. Als erste vorbeugende Maßnahme seien allerdings in allen Messe-Räumlichkeiten Desinfektionsspender aufgestellt worden.

Peter Schröcksnadel.
© Thomas Böhm

Das sich weiter ausbreitende Coronavirus bringt vor allem den Sport immer mehr in Not. In Abu Dhabi und Berlin sitzen Radprofis in Quarantäne, bei Weltcup-Skirennen in Norditalien wurde Körperkontakt praktisch untersagt und in Cortina d’Ampezzo in der Provinz Belluno in Venetien bangt man um das Ski-Weltcupfinale ab 18. März. Obwohl Österreichs Skiverbandspräsident Peter Schröcksnadel das alles „ziemlich hysterisch findet“, sind für ihn die Rennen so nicht vorstellbar. Sie würden ohnehin unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. „Warum sollte man aber die Athleten nach Cortina lassen? Sie könnten ja ebenfalls das Virus übertragen.“ Und vor leeren Rängen mache das Finale keinen Sinn, fügt Schröcksnadel hinzu.

Warum sollte man aber die Athleten nach Cortina lassen? Sie könnten ja ebenfalls das Virus übertragen.
Peter Schröcksnadel (ÖSV-Präsident)

Sportveranstaltungen

Fußball: In der Schweiz wurden alle Spiele der Super League abgesagt. In Italien spielt Juventus gegen Inter Mailand am Sonntagabend vor leeren Rängen.

Euro 2020: „Statt Fußball-Fieber wächst vielmehr eine Sorge. Wie gefährlich wird das Coronavirus für die Mega-EM?“, schreibt die deutsche Bild-Zeitung. Die UEFA will mögliche Konsequenzen erst diskutieren, falls sich die Lage drastisch verschlechtert.

Olympia in Tokio: Das IOC spricht noch von einem Zeit-fenster von drei Monaten für mögliche Entscheidungen.

Formel 1: Der China-Grand-Prix am 19. April in Shanghai wurde bereits abgesagt, die Rennen in Bahrain (22. März) und in Vietnam (5. April) wackeln.

UAE-Tour abgebrochen: Zwei positive Tests auf das Coronavirus haben zum Abbruch der UAE-Tour der Radprofis in den Vereinigten Arabischen Emiraten vor den letzten zwei Etappen am Freitag und Samstag und zur Abschottung des Hotels mit dem gesamten Tour-Tross geführt. Zwei italienische Mitarbeiter eines Teams sollen das Virus in sich tragen. Zehn Österreicher befinden sich unter den Hunderten im Hotel isolierten Personen.

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Am Wochenende werde er sich jedenfalls mit dem Präsi-
denten des Internationalen Skiverbandes, Gian Franco Kasper, beraten. Abschlie-
ßend stellt sich Schröcksnadel dann aber noch eine weitere Frage: „Wie sieht es denn dann mit den Herrenrennen von 13. bis 15. März im slowenischen Kranjska Gora an der Grenze zu Friaul aus?“ (TT, pn, ecke)

Situation in Tirol

Keine weiteren Fälle: Seit gestern liegen in Tirol 40 weitere negative Testergebnisse vor.

Ambulanzen: Der Zulauf zur Screening-Ambulanz an der Innsbrucker Klinik hält sich in Grenzen. Im BKH St. Johann wurde eine eigene Infektionsambulanz eingerichtet.

Mobile Screening-Teams: Die für eine Testung notwendigen Abstriche können nun auch tirolweit daheim durchgeführt werden. Nach einer Meldung bei der Telefonhotline (0800 80 80 30) kommen Mediziner mit Schutzausrüstung ins Haus.

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