Lambert im Treibhaus: Die sardischen Stiere der Neoklassik

Das maskierte Trio um Pianist Lambert spielte am Samstag im Treibhaus. Drei „Viecher“ an Klavier, Gitarre, Synthesizer und Schlagzeug.

Pianist Lambert am Klavier. Die tierischen Masken unterstützten die märchenhaft-magische Atmosphäre der Musik.
© Gasser

Von Luca Gasser

Innsbruck –Lambert ist ein dreiköpfiges und sechshörniges Ensemble aus Hamburg und Berlin. Sechshörnig, weil ihr Markenzeichen eine sardische Stiermaske ist. Die Masken behielten sie das ganze Konzert über an. Nach sechsjähriger Tradition sind Lambert immer noch anonym.

Mit Bescheidenheit hat das Versteckspiel nichts zu tun. „Wir sind die Gruppe Lambert und ihr seid das Publikum. Wir sind heute zusammengekommen, weil wir ein Album aufgenommen haben. Und dieses Album („True“ aus 2019, Anm.) ist ein Meisterwerk.“ Lambert sagt uns nach dem ersten Stück, wie wir ihre Musik zu bewerten haben. In diesem Sinn braucht es diese Kritik gar nicht mehr – oder umso mehr.

Aus den folgenden Liedern, die meist kurze Namen tragen, wie „Porcelain“, „The Dance“, oder „The Stream“ klingen oft tiefe Melancholie oder plötzliche Leichtigkeit. Diese Wechselhaftigkeit gepaart mit einem Sinn fürs Detail macht Lambert tatsächlich meisterlich.

Dynamik und Tempo beherrscht der Pianist völlig ohne Noten. Auch das Zusammenspiel mit seinen Bandkollegen klappt kontaktlos. Der Stier am Schlagzeug klopft oft unglaublich leise und gleichzeitig schnelle Rhythmen auf seinen Trommeln. Man könnte meinen, das kommt weder von Mensch noch Tier, das muss maschinell sein, wie der synthetische Bass. Einzig der Gitarrist mit der Schafsbockmaske geht leider unter mit seinen allzu sachte gezupften Tönen.

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Lambert können getrost als Paradebeispiel für die sogenannte Neoklassik bezeichnet werden. Diese Musikrichtung verbindet Elemente aus der Neuen Musik (20. Jahrhundert) mit Minimal Music und elektronischer Musik. Typisch sind Klavier oder Streicher in Verbindung mit elektronisch erzeugten Klängen und Effekten mit repetitiven Tonfolgen.

Also wenn das mal nicht auf Lambert zutrifft! Wenn der Bass aus dem Synthesizer einsetzt, dann vibriert der ganze Treibhausturm.

Neoklassik ist übrigens oft auch gern verwendete Filmmusik. Und tatsächlich sind Lamberts Kompositionen in mittlerweile schon sechs Filmen zu hören. Da fühlt man sich beim Konzert teilweise an Schlüsselszenen im eigenen Film versetzt. Lambert verführt in die eigene Gedankenwelt, bei der Musik zu bleiben ist anspruchsvoll, um nicht zu sagen anstrengend. Aber es lohnt sich.

Bekannt wurden Lambert auch durch Neubearbeitungen von Acts wie Deichkind, José Gonzalez und Moderat. Zwischen den Stücken präsentiert sich Lambert als witzelnder Entertainer und durchkreuzt das Bild vom schweigenden Genie. Das Mikro unter die Maske geklemmt, sagt er: „Das wird jetzt das letzte Stück. Also je nachdem, wie gut ihr mit den Regeln des Showbusiness vertraut seid.“ Es war natürlich nicht das letzte.


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