Glenn Gould und Friedrich Gulda: Was die jungen Wilden im Kopf hatten

Die Klavier-Superstars Glenn Gould und Friedrich Gulda komponierten als Youngsters Streichquartette.

Hochbegabt, versonnen, exzentrisch: Glenn Gould (l.) sang beim Spielen mit, Friedrich Gulda setzte dem Publikum Jazz statt Bach, Mozart, Beethoven vor.
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Innsbruck – Der Österreicher Friedrich Gulda und der Kanadier Glenn Gould, 1930 und 1932 geboren, waren ab den 1950er-Jahren pianistische Superstars mit internationalen Karrieren. Gould beendete seine öffentlichen Auftritte 1964, weil er sie als unwürdig empfand. Gulda irritierte sein Publikum zunehmend, weil er sich nicht an die Programme hielt. Nicht nur der Atlantik lag zwischen ihnen, aber es sind auch auffallende Gemeinsamkeiten auszumachen: bei aller Vielseitigkeit die Liebe zu Bach, die Nähe zum Jazz, ein technisches Interesse, die Exzentrik.

Gulda komponierte neben dem Klavierspiel weiter (sein Konzert für Violoncello und Bläserorchester ist in Tirol immer wieder zu hören), Gould wandte sich danach dem Schreiben zu.

In ihren Studienzeiten komponierten beide je ein Streichquartett. Gould kreiste ungeniert zwischen den Stilen, mittendrin die Zweite Wiener Schule. Sein einsätziges Stück bietet nicht gerade Orientierung, aber die Süffigkeit und Kreativität weckt Interesse, gerade im Gegensatz zur Klarheit seines Spiels.

Gulda, in Wien als Kompositionsschüler konservativ unterrichtet, packte in sein dreisätziges Streichquartett in fis-Moll ebenfalls die Vorbilder des frühen 20. Jahrhunderts, arbeitete aber strukturiert mit seinen rhythmischen Energien und oft elegischen Melodien. Auch kurze folkloristische Anlehnungen und der lyrische Ton finden sich typischerweise in späteren Kompositionen wieder.

Das Acies Quartett kann die beiden doch recht komplexen Partituren mit seinem musikalischen Gespür, seiner analytischen und technischen Könnerschaft und Spielfreude in Musik übersetzen, die zu erleben sich lohnt, gerade auch in Beziehung zum künstlerischen Verlauf der Karrieren beider bis heute gefragten und durch ihre Aufnahmen auch gehörten Weltpianisten. (u.st.)

Klassik Acies Quartett: Glenn Gould, Friedrich Gulda – The String Quartet. Gramola.


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