Schüler mit Coronavirus infiziert - Mitschüler in Quarantäne

In Österreich gibt es eine weitere Coronavirus-Infektion. Der Sohn eines bereits infizierten Wiener Paares ist positiv getestet worden, wie Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Freitag mitteilte. Es handelt sich um einen Schüler des Erzbischöflichen Gymnasiums Hollabrunn. Mitschüler und Lehrkräfte wurden unter Quarantäne gestellt. Die Regierung präsentierte indes eine Info-Kampagne.

Der positiv getestete Jugendliche aus Wien geht in dem niederösterreichischen Gymnasium zur Schule. Die Bezirkshauptmannschaft habe umgehend Maßnahmen zur häuslichen Quarantäne eingeleitet, teilte Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Freitagabend nach einer Lagebesprechung im NÖ Landhaus mit. Betroffen seien vier Lehrkräfte sowie 23 Schülerinnen und Schüler der Geburtsjahrgänge 2003 bis 2005. Sie dürften bis 11. März ihren eigenen Wohnbereich nicht verlassen.

Die Tochter der Familie sei nicht infiziert, hieß es aus dem Büro des Wiener Gesundheitsstadtrates. Bei den Kindern handelt es sich um Jugendliche, wobei das genaue Alter nicht genannt wurde. Entgegen vorherigen Angaben war nur der Vater in einer betroffenen Region in Italien auf Urlaub. Die gesamte Familie befindet sich derzeit im Kaiser-Franz-Josef-Spital (KFJ). Die Eltern leiden unter einer leichten Lungenentzündung.

In Wien sind mittlerweile insgesamt 181 Spitalsmitarbeiter aus dem Gemeindespital Rudolfstiftung negativ auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet worden. Die 90 Personen standen unmittelbar mit dem ersten Wiener Patienten in Kontakt, wie ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Freitag betonte. Auch die Testergebnisse der privaten Besucher des 72-Jährigen der am Donnerstag in das Kaiser-Franz-Josfespital (KFJ) verlegt wurde, sind negativ.

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Bei dem 72-Jährigen handelt es sich nach APA-Informationen um einen renommierten Anwalt. Dass er Kanzleimitarbeiter angesteckt haben könnte, ist nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen. Wo sich der Mann angesteckt hat, ist weiterhin unklar. Er war nicht im Ausland und war bereits seit zehn Tagen in stationärer Behandlung. Nach wie vor wird der „Patient Null“ gesucht, also jene Person, bei der er sich in Österreich angesteckt hat.

Bis Freitag, 10.00 Uhr, wurden laut Gesundheitsministerium 763 Tests durchgeführt. Darunter waren auch Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) und seine Delegation, die nach einem Besuch im Iran negativ getestet wurden. In der Delegation befand sich zudem ein Journalist, der nach der Rückkehr am Montag Symptome einer Virusinfektion aufwies und daher als Verdachtsfall zunächst am Donnerstag im Kaiser-Franz-Josef-Spital aufgenommen worden war. Am Abend wurde er dann mit einem Infektionstransport nach Hause gebracht. Am Freitag lag dann auch sein Ergebnis vor: Er war ebenfalls negativ getestet worden.

Wien hat am Freitag seinen Notfallplan vorgelegt. Ein zentraler Punkt ist die Ausweitung des Ärztefunkdienstes. Dieser wird ab sofort rund um die Uhr zu Verdachtsfällen kommen, und Abstriche für Tests durchführen. Von einem Besuch von Ordinationen und Ambulanzen wird dringend abgeraten. Menschen mit Infektionsverdacht sollten davon abgehalten werden, Personen in einem Spital oder beim Hausarzt anzustecken. Entsprechende Ordinationsplakate werden ausgehängt. Wenn man unter leichten Symptomen leidet, soll man stattdessen die Hotline 1450 anrufen. Betroffene werden dann vom - personell deutlich aufgestockten - Ärztefunkdienst besucht.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) präsentierten außerdem eine Informationskampagne, um die Bevölkerung über das neuartige Coronavirus aufzuklären. Vorgestellt wurde auch eine Task Force, die im Gesundheitsministerium einen medizinischen Beirat rund um SARS-CoV-2 bildet. „Wir ziehen die Kompetenzen in Österreich zusammen“, betonte Anschober.

Mit Symptomen, die potenziell auf eine Infektion hindeuten, soll man für medizinische Auskünfte die Telefonnummer 1450 wählen, mit Fragen und Sorgen allgemein die Hotline unter 0800-555-621. Mit der verstärkten Information wolle man „den Menschen Sicherheit geben, Sorgen ernst nehmen und Fragen beantworten“, sagte Nehammer. Der Innenminister verwies zugleich auf Kooperationen mit den österreichischen Medien, „um möglichst breit zu informieren“, sowie die enge Abstimmung mit Nachbarstaaten.

Anschober kündigte für den Nachmittag zwei Erlässe und drei Verordnungen an, damit zentrale Vorgaben rechtsverbindlich in allen Bundesländern umgesetzt werden. So soll es einen Erlass mit genauen Ablaufplänen für einen Verdachtsfall geben, „wir wollen keine Widersprüchlichkeiten zwischen Burgenland und Vorarlberg“, sagte der Gesundheitsminister. Der zweite Erlass soll sich „um die Frage der Definition der Kontaktpersonen drehen“, kündigte Anschober an.

Der Gesundheitszustand des mit dem Coronavirus infizierten italienischen Pärchens in Innsbruck ist nach wie vor unverändert gut. „Sie zeigen kaum Symptome“, sagte der Sprecher der tirol kliniken, Johannes Schwamberger. Trotzdem sollen sie jedenfalls noch über das Wochenende in der Klinik bleiben. „Wir testen sie weiter, und sobald die Viruslast bei Null ist, dürfen sie gehen“, fügte er hinzu.

Der Zulauf zur eigens an der Innsbrucker Klinik eingerichteten Screening-Ambulanz für Coronavirus-Fälle hielt sich in Grenzen. „Der Andrang ist überschaubar“, sagte Schwamberger, am Freitag zur APA. Zudem gab es Lob für die Tiroler bzw. Innsbrucker Bevölkerung, die offenbar sehr diszipliniert mit den Anweisungen der Behörden umgeht. „Die Bitte, bei Verdacht zunächst telefonisch Kontakt aufzunehmen und nicht direkt an die Klinik zu kommen, funktioniert exzellent“, sagte Schwamberger.

Oberösterreich weitet unterdessen seine Corona-Tests aus. Bisher wurden sie nur im Klinikum Wels durchgeführt, nun werden sie auch am Kepler-Uniklinikum in Linz, am Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck und am Pyhrn-Eisenwurzen-Klinikum Steyr gemacht. Derzeit gibt es „eine zweistellige Zahl“ an Verdachtsfällen, verteilt auf das ganze Land.

Das Land Kärnten verlängerte das ursprünglich bis Sonntag geltende Verbot von Schüleraustauschprogrammen mit Friaul-Julisch-Venetien und Veneto bis auf Weiteres. Wie es am Freitag vom Landespressedienst hieß, hätten Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) und Vertreter der beiden norditalienischen Regionen diesen Schritt in einer Videokonferenz beschlossen.


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