Bischof Glettler: Brückenbauer zwischen Religion und Kunst

Bischof Glettler stellt in Graf bei Landeck aus. Bilder aus seinem Zyklus „Die fremde Gestalt“ sind um je 700 Euro zu haben, Erlös geht an die Caritas.

Bischof Hermann Glettler gab Einblick in sein aus Zeitgründen zurückhaltendes künstlerisches Schaffen.
© Wenzel

Landeck, Graf – „Was will uns der Bischof als Künstler sagen?“ – Diese Frage hat Bischof Hermann Glettler am Freitagabend bei der Vernissage seiner Ausstellung „Die fremde Gestalt“ in Graf bei Landeck selbst gestellt. Womit er anklingen ließ, dass zwei Seelen in seiner Brust schlagen: die des Seelsorgers und Oberhirten der Diözese sowie jene des Künstlers sowie Kunsthistorikers. Glettler hatte Theologie und Kunstgeschichte studiert.

Weil diese Frage schwierig sein könnte, übe er sich bei der Kunst in Zurückhaltung. Übrigens auch aus Zeitgründen. „Ich habe nicht viel Zeit für künstlerische Tätigkeiten.“ Eine Antwort, die er den Besuchern bot, wirkte verblüffend: „Was will uns der Bischof beim Skifahren sagen? – Gar nichts. Ich muss schauen, dass ich über den Hang herunterkomme.“

„Der am Boden schreibende Johannes“ – Collage von Hermann Glettler, rechts oben der typische Kreis.
© Wenzel

Mit Kunst begebe er sich auf „ein anderes Terrain“. „Es geht darum, visuelles Neuland und neue Räume zu öffnen“, sagte Hermann Glettler. Und: „Der Mensch braucht ein Bild. Er muss sich davon aber immer befreien.“

Dann sprach wieder der Theologe in ihm: „Von Jesus gibt es viele kitschige und verharmlosende Bilder.“

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Im Zyklus seiner Ausstellung zeigt Glettler 25 Schwarz-Weiß-Bilder mit biblischen Motiven aus dem neuen Testament. Es sind Collagen mit einem Kreis als gemeinsames Merkmal bzw. Symbol. „Die Bilder sind nicht so perfekt. Oft sind es Bauchentscheidungen. Ich will nicht immer spekulieren“, so der Künstler. Um Perfektion gehe es ihm nicht. „Trotzdem wundere ich mich, dass die Arbeiten teilweise interessant sind.“ Zu den Kreisen erläutert er: „Oft tauchen Scheiben auf. Und eine Scheibe hat ein Drehmoment.“

Seine Botschaft an den Betrachter bringt der Bischof so auf den Punkt: „Ich will nicht mit Bildern predigen. Jedes davon bietet viel Spielraum für Interpretationen. Jeder soll sich selbst Gedanken machen und sich inspirieren lassen.“ Kunst könne Freude am Leben bewirken, trösten, aber auch Konflikte und Irritationen auslösen.

Der Zyklus sei parallel zum Buch „Die fremde Gestalt: Gespräche über den unbequemen Jesus“ (Styria Verlag). Glettler hat es 2018 gemeinsam mit dem Grazer Psychiatrie-Professor Michae­l Lehofer verfasst.

Den Erlös aus dem Bilder-Verkauf (700 Euro pro Bild) spendet der Bischof an die Caritas-Haussammlung. Kontakt: Gerald K. Nitsche, Atelier Kårrnerwaldele, Tel. 0676/6130098. (hwe)


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