Unbekannte steckten „Funken“ frühzeitig in Brand

Zum Vorarlberger Brauchtum der Funkenfeuer gehört auch - die heutzutage strafbare - Unsitte des frühzeitigen Anzündens von Nachbarfunken. In Lauterach wurde Samstag früh ein Funkenturm von Unbekannten in Brand gesteckt, informierte die Polizei. Damit wurden viele potenzielle Besucher um ihr Vergnügen und die Veranstalter vorerst um ihre Einnahmen gebracht.

Zwar wurde der geschlichtete Scheiterhaufen bis kurz vor Mitternacht bewacht - auch die Funkenwacht ist Bestandteil der Funkentradition. Irgendwann zwischen 4.00 und 6.00 Uhr drangen die Täter jedoch bis zum Funkenturm vor und zündeten ihn an. Als die Feuerwehr eintraf, stand der Scheiterhaufen bereits in Vollbrand, woraufhin die Feuerwehr ihn kontrolliert abbrennen ließ und keine Löschversuche unternahm. Verletzt wurde niemand, die Höhe des Schadens steht noch nicht fest.

Die über das ganze Land verteilt rund 100 Funkenfeuer bilden traditionell den Abschluss der Vorarlberger Fasnat (Fasching). Dem Brauchtum zufolge geht die närrische Zeit im Ländle nicht am Faschingsdienstag zu Ende, sondern erst am ersten Fastensonntag („Funkensonntag“). Mit dem Entzünden der riesigen Scheiterhaufen soll dem Winter der Garaus gemacht werden. Dabei treffen sich viele Tausend Schaulustige, um bei Glühwein und speziellem Gebäck, den „Funka-Küachle“, das Abbrennen der Funken mitzuverfolgen. Die Vorbereitungen und der Aufbau des Scheiterhaufens werden von der Funkenzunft übernommen.

Heutzutage wird zumeist aus unbehandelten Balken von Abbruchhäusern oder gespaltenen Bäumen ein vierkantiges Gerüst „gestrickt“, das mit anderem Abfallholz gefüllt wird. Angeblich gibt es mehr als 20 verschiedene Bauweisen, um die bis zu 30 Meter hohen Funken zu errichten. Das jahrhundertealte Brauchtum alemannischen Ursprungs ist seit 2010 im nationalen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO gelistet.

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