Buttigieg zieht US-Präsidentschaftskandidatur zurück

Kurz vor den Vorwahlen am „Super Tuesday“ zieht der moderate Kandidat Pete Buttigieg seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten zurück. Er strebe die Kandidatur für die Wahl im November nicht mehr an, sagte der 38-Jährige am Sonntagabend (Ortszeit) in South Bend (Indiana), wo er zuletzt Bürgermeister gewesen war.

„Heute ist der Augenblick der Wahrheit“, sagte Buttigieg. Sein Ziel sei es nämlich immer gewesen, „die Amerikaner zu einen, um dabei zu helfen, Donald Trump zu besiegen“, deutete er taktische Gründe für seinen Rückzug an. Tatsächlich sagte ein enger Berater des Kandidaten der Nachrichtenagentur Reuters, dass Buttigieg auch über den „Super Tuesday“ hinaus im Rennen hätte bleiben können. Es gehe aber nicht um seine persönliche Eitelkeit, sagte er mit Blick auf den linken Favoriten Bernie Sanders, dem die Zersplitterung des moderaten Lagers bisher in die Hände gespielt hatte.

Buttigieg, Biden, die Senatorin Amy Klobuchar und der beim „Super Tuesday“ erstmals antretende Mike Bloomberg kämpfen um dasselbe Wählersegment. Weil nach parteiinternen Regelungen nur Kandidaten mit mindestens 15 Prozent der Stimmen bei der Vergabe der Delegierten für den Nominierungsparteitag zum Zug kommen und am „Super Tuesday“ mehr als ein Drittel aller Delegierten verteilt werden, schien eine Bereinigung des Feldes im moderaten Lager überfällig.

Am Samstag hatte Buttigieg bei der bisher letzten Vorwahl der Demokraten im US-Bundesstaat South Carolina mit enttäuschenden 8,3 Prozent abgeschnitten. Er war damit nur auf dem vierten Platz gelandet. Ex-Vizepräsident Joe Biden konnte dort einen fulminanten Sieg einfahren. Es war allerdings der erste Erfolg Bidens bei den bisher vier Vorwahlen der Demokraten. Vorne liegt bei den Vorwahlen und in landesweiten Umfragen Senator Bernie Sanders, der sich selber als einen „demokratischen Sozialisten“ bezeichnet.

Buttigieg war der erste offen homosexuelle Bewerber um die US-Präsidentschaft. Sein schlechtes Abschneiden bei den Vorwahlen in Nevada und South Carolina war von Beobachtern als Zeichen gewertet worden, dass er bei nicht-weißen Wählern - sie stellen die große Mehrheit der demokratischen Basis - kaum Rückhalt hat. Beobachter sehen in seinem überraschenden Rückzug vor dem „Super Tuesday“ auch den Versuch, einem Verliererimage nach weiteren Rückschlägen auszuweichen und sich insbesondere als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat im Rennen zu halten.

Am „Super Tuesday“ werden bei den Demokraten 1.344 Delegierte vergeben. Für die Nominierung beim Parteitag im Juli in Milwaukee (Wisconsin) werden 1.991 von 3.979 Delegierten benötigt. Bei den ersten vier Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina gab es insgesamt nur 149 Delegierte zu gewinnen. Davon konnte Sanders 58, Biden 50 und Buttigieg 26 holen. Der Rest der Bewerber liegt im einstelligen Bereich oder bei Null. Bei der ersten Vorwahl in Iowa hatte Buttigieg überraschend die meisten Delegierten gewonnen.

Mit Spannung wird nun das Abschneiden des Multimilliardärs und früheren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg am „Super Tuesday“ erwartet - der moderate Kandidat wird dann erstmals auf den Wahlzetteln stehen. Bloomberg war erst spät ins Rennen eingestiegen und war bei den bisherigen Vorwahlen nicht angetreten. Nach US-Medienberichten hat er mehr als 400 Millionen Dollar alleine für TV-Wahlwerbespots ausgegeben, um am Dienstag punkten zu können.

Nach einem Rückzug Buttigiegs wären noch sechs Bewerber im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Neben Sanders (78), Biden (77) und Bloomberg (78) wären das die Senatorin Amy Klobuchar (59), die Senatorin Elizabeth Warren (70) und die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard (38).

Nach einem erneuten enttäuschenden Ergebnis bei der Vorwahl in South Carolina hatte am Samstagabend bereits der Milliardär und frühere Hedgefonds-Manager Tom Steyer (62) seine Bewerbung um die Kandidatur zurückgezogen. „Ich sehe keinen Weg, wie ich die Präsidentschaft gewinnen kann“, sagte er. Steyer hatte in den bisher vier Vorwahlen keinen einzigen Delegierten gewonnen.

Am „Super Tuesday“ wird in 14 Bundesstaaten gewählt: In Alabama, Arkansas, Kalifornien, Colorado, Maine, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee, Texas, Utah, Vermont und Virginia. Außerdem steht im Außengebiet Samoa eine Vorwahl an.

Präsident Trump hat keine ernstzunehmende parteiinterne Konkurrenz. Die Republikaner haben daher ihre Vorwahlen in mehreren Bundesstaaten abgesagt. Die Vorwahlen ziehen sich bis Juni hin. Auf Nominierungsparteitagen küren Demokraten und Republikaner danach endgültig ihre Präsidentschaftskandidaten - die Demokraten im Juli in Milwaukee (Wisconsin), die Republikaner im August in Charlotte (North Carolina).


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