Osterfestival Tirol thematisiert Bedingungen des Friedens

Das Osterfestival Tirol wird sich 2020 unter dem Motto „Friede?“ mit Themenkomplexen wie Krieg, menschlichen Abgründen oder Versöhnung auseinandersetzen. Auf dem Programm stehen dabei sowohl Tanz wie auch Film - und nicht zuletzt Musik. „Wir wollen die Frage stellen, ob und wie Friede überhaupt möglich ist“, sagte die künstlerische Leiterin des Festivals, Hannah Crepaz, im APA-Gespräch.

Krieg scheint aktuell allgegenwärtig und Friede ein rares Gut geworden zu sein. „Die Kunst hat viele Formen, Themen wie Flucht, Krieg und Zerstörung zu verarbeiten und bearbeiten“, meinte dazu Crepaz. „Kunst kann mögliche Andeutungen und Antworten dazu geben, wie ein Leben nach der Zerstörung möglich ist“, betonte die künstlerische Leiterin.

Allzu konkrete Antworten und Handlungsanleitungen darf sich das Publikum aber dennoch nicht erwarten. „Die Werke beim Festival können stets auf unterschiedliche Weise interpretiert werden“, strich Crepaz heraus. Kunst könne aber herausfordern, unangenehm sein und damit noch lange nachwirken. „Unser Publikum darf sich gerne auch nach dem Kunsterlebnis fragen, wie man auf Konflikte reagiert oder Auswege findet“, so Crepaz.

Solche Fragen oder Gespräche über Lösungsansätze könnten sich in diesem Jahr etwa beim Tanzstück „Routes“ ergeben, das von Guy Nader und Maria Campos choreografiert wurde. „Die Tänzer finden in diesem immer neue Wege des friedlichen Zusammenseins“, merkte Crepaz dazu an. Auf weniger Friede und Harmonie muss man sich hingegen beim Film „Die 120 Tage von Sodom“ von Pier Paolo Pasolini einstellen. „Dort bekommt man menschliche Abgründe und Gewaltfantasien zu Gesicht“, erklärte Crepaz.

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Beim Programmpunkt „Frauenfantasien“, bei dem „Yes, I Will, Yes!“ des Komponisten Dieter Schnebel gesungen von Sarah Maria Sun erklingt, darf sich das Publikum im Gegensatz zur filmischen Dystopie von Pasolini mit der positiven Frage beschäftigen „was wäre, wenn Frauen an der Macht wären“, wie es die künstlerische Leiterin formulierte. Den Sprung von Musik und Film hin zum Gesprächsformat können Osterfestivalbesucher indes mit „...im Wandel?“ wagen, bei dem der Essayist Max Czollek erstmals auf die Kulturwissenschafterin Aleida Assmann trifft und über gesellschaftliche Herausforderungen diskutiert.

Abseits von gesellschaftlichen Fragen bleibt auch in diesem Jahr ein gewisser Teil des Osterfestival-Programms überzeitlich und weitestgehend unberührt von Belangen der Gegenwart. Am Karsamstag findet die Trauermette statt, am Karsamstag kann man mit den Lamentationen und Responsorien rechnen. Auch die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach fehlt heuer nicht.

Einen tänzerischen Abschluss findet das Festival schließlich am 12. April mit „The Show must go on“ vom französischen Tanz-Shootingstar Jérôme Bel. Es ist ein Stück mit gesellschaftspolitischem Unterton. „Bei Bel sind Profitänzer und Laien gleichberechtigt, auf der Bühne stehen außerdem junge und alte Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen“, berichtet Crepaz.

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